Donnerstag, 2. Mai 2013

Fortschritt vs. Konsum


Fortschritt vs. Konsum


Fortschritt, das Fortschreiten und Vorrangehen, das Anleiten und Anführen der Massen in jede x-beliebige Richtung. Auf zu neuen Ufern. Das Unbekannte entdecken, verdecktes aufdecken, das Erfundene und nicht Erfundene neu erfinden. Erfundenes weiter entwickeln, Entwickeltes einbinden. Fortschritt ist alles, Stillstand ist nichts. Schneller, höher, weiter, länger, intensiver, deutlicher, umfassender, klarer, verständlicher, begehbarer, erreichbarer, erklärbarer, vorteilhafter, durchschlagender, heilbarer, erkennbarer, unbedingt fortschrittlicher.
Fortschritt und Forschung sind eng miteinander verbunden. Forschung führt zu Neuerungen, die entweder Altes ersetzen oder völlig Neues entstehen lassen. Forschung bedeutet Investitionen in eine Zukunft zu tätigen, deren Ist-Zustand man zwar theoretisch erklären kann, deren tatsächliche Ausprägung allerdings im Dunkeln bleibt. Es sind wohl die Ziele der Forschung, alles was man mit ihr in allen Bereichen des menschlichen Daseins erreichen möchte, die wichtig sind und ausschlaggebend für die Sinnhaftigkeit ihres Betreibens.
Viel wird vom technischen Fortschritt gesprochen, dies ist ein rationaler Begriff. Er ist fassbar, erklärbar und verständlich. Wie sieht es dagegen mit dem Fortschritt des Menschen als Individuum aus? Beobachtet man die Gesellschaft, mit dem stetigen Anstieg von Armut, Gewalt und Gleichgültigkeit, die Zerrissenheit innerhalb von Familien, den steten Anstieg der Zahlen von Menschen, die scheinbar nur im Singledasein ihre Erfüllung finden und sich auch im Sozialgefüge immer mehr auf ihre individuellen Ziele konzentrieren, bekommt man Zweifel, dass der Mensch an sich, noch Fortschritte in seiner Entwicklung macht. Er kann die neuesten Maschinen bedienen, kennt sich mit Computerprogrammen aus, kann die Natur und alles um ihn herum beschreiben, nur nicht mit seiner Gattung vernünftig umgehen. Ist der Mensch fortschrittlich? Technik nimmt ihm viel ab und erspart ihm am Ende sogar die Notwendigkeit mit anderen persönlich zu kommunizieren. Das bedienen von Maschinen ist vorgeschrieben, immer dieselben Handgriffe, immer dieselben Gedanken, bis zur Gedankenlosigkeit. Die Masse steht unter permanenten Druck, erzeugt durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, dem Umgang der Vorgesetzten mit den Untergebenen, der Bürokratie mit dem Volk, dem Wegfall aller Sicherheiten, die einen Lebensweg eines denkenden Wesens begleiten sollten. Ja es gibt sie, die Individuen, denen gerade die Unsicherheiten in dieser Welt als Ansporn und Energie-Reservoir dienen. Diese bilden allerdings die Minderheit und sollten nicht als Vorbild einer ganzen Gesellschaft dienen. Die Mehrheit leidet unter den Bedingungen und windet sich unter dem Druck. Krankheiten und krankhafte Ansichten beginnen sich wieder zu verbreiten. Es war in der Geschichte der Menschheit noch nie anders. Jedes dieser geschichtlichen Systeme begann mit der Freude der Menschen über Veränderung und anschließender Vernichtung des Systems durch Menschen. Wie sieht es aus mit der humanistischen Fortbildung? Wie ernst wird dies zum Beispiel in Deutschland betrieben? Wie weit sind sie, in Bezug auf die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Frauen und Frauen, Männern und Männern? Vergessen sie nicht des Öfteren, dass den 80 Millionen ca. 7 Milliarden Ausländer gegenüberstehen? Menschen mit denselben Eigenschaften und Bedürfnissen, Menschen mit den gleichen Erbanlagen und den gleichen geistigen Voraussetzungen.
All dies und gesamtgesellschaftlich zu akzeptieren, wäre wohl ein tatsächlicher Fortschritt in Bezug auf die menschliche Gesellschaft gewesen. Gelernt wird nur durch Schmerzen, Tote Frauen, Kinder,  Ausländer, viele tote Menschen, säumen den Weg einer Gesellschaft, die immer noch ihren Weg sucht. Dieses Aufgabengebiet wurde zu lange unterschätzt und bedarf nun einer genaueren Betrachtung.
Technischer Fortschritt ist das angenehmere Thema. Alles was die Abläufe effizienter und effektiver macht, die Ressourcen der Natur durch Minderverbrauch schützt ist willkommen. Durch entsprechende Berechnungen lassen sich auch die Ergebnisse besser einschätzen, als im Gegensatz dazu die Entwicklung der Menschen. Diese behalten immer einen Überraschungsmoment und reagieren so, wie man es nicht erwartet.
Technischer Fortschritt und die dafür notwendige Forschung kosten Geld, Geld welches durch diese Form der Nutzung, dem Konsum der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Anfangsinvestitionen sind oft sehr hoch. Die Beteiligten möchten diese in kürzester Zeit in Form von Gewinnen zurückerhalten. Der Gewinnzwang und die Zeit bestimmen die Wucht, mit der die Bevölkerung, mit den Auswirkungen von Forschung und anschließender Entwicklung konfrontiert werden. Doppelt schlimm fallen die Reaktionen aus, wenn die Projekte unter falscher und verschleiernder Kommunikation leiden, die Ziele und Erwartungen für die Zukunft nicht deutlich erklärt werden können und Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen geschürt werden. Wieder der Mensch als Gewohnheitstier, der Masse ist der eigene Stand wichtiger, als die Entwicklung des Ganzen. Wer will heute auf etwas verzichten, um einer ungeborenen Generation zu dienen? Wer glaubt, Teil der Zukunft zu sein, wo doch immer davon gesprochen wird, man solle im hier und jetzt leben. Widersprüche über Widersprüche.
Als die Gesellschaft in Europa noch die größten Sprünge im Bereich der industriellen Entwicklung machte, waren auch die Menschen am Ärmsten dran. Der Konsum sank manches Mal gegen null. Kriege waren an der Tagesordnung. Heute scheint man gerne am Alten festzuhalten, nur noch Detailfragen werden gelöst, alles konzentriert sich auf die Konsumgüter, auf den Handel.
Wind und Sonne, Wasser und Feuer, welche Umwälzungen stehen uns nun bevor, welcher Weg wird der richtige sein, geht man ihn alleine oder schließen sich andere an? 
Vieles endet immer noch an nationalen Grenzen. Die Überzeugungen des Einen sind der Graus des Anderen. Kleingeistigkeit beherrscht heute wie schon immer große Teile der agierenden Personen. Sie sind Bruderschaften, Vereinen, Firmen und anderen Gruppen verpflichtet. Manch einer verliert dadurch den weiten Blick für das Gesamte. Eigennutz ist wohl weitverbreiteter als viele annehmen. Verständlich, wenn man die Sprüche: „Man lebt nur einmal!“ und „Nach mir die Sintflut!“, ernst nimmt.
Konsumieren kann die Welt, wenn sie im Überfluss lebt und dieser gleichmäßig auf der Welt verteilt wäre. Ist er aber nicht. Menschen hungern und verhungern heute wie damals. Die einen leben in Frieden, die anderen im Krieg, die einen haben alles, die anderen nichts. Die einen Glauben an die Zukunft, die anderen haben keine. Dies ist das unverständliche an dieser Welt, deren Geheimnisse noch lange nicht ergründet sind, deren Ungerechtigkeiten noch lange nicht beseitigt sind. Man steht immer wieder vor dem Neubeginn. Ausgewogenheit fehlt ihr. 

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