Fortschritt vs. Konsum
Fortschritt, das Fortschreiten und Vorrangehen, das Anleiten
und Anführen der Massen in jede x-beliebige Richtung. Auf zu neuen Ufern. Das
Unbekannte entdecken, verdecktes aufdecken, das Erfundene und nicht Erfundene
neu erfinden. Erfundenes weiter entwickeln, Entwickeltes einbinden. Fortschritt
ist alles, Stillstand ist nichts. Schneller, höher, weiter, länger, intensiver,
deutlicher, umfassender, klarer, verständlicher, begehbarer, erreichbarer,
erklärbarer, vorteilhafter, durchschlagender, heilbarer, erkennbarer, unbedingt
fortschrittlicher.
Fortschritt und Forschung sind eng miteinander verbunden.
Forschung führt zu Neuerungen, die entweder Altes ersetzen oder völlig Neues
entstehen lassen. Forschung bedeutet Investitionen in eine Zukunft zu tätigen,
deren Ist-Zustand man zwar theoretisch erklären kann, deren tatsächliche
Ausprägung allerdings im Dunkeln bleibt. Es sind wohl die Ziele der Forschung,
alles was man mit ihr in allen Bereichen des menschlichen Daseins erreichen
möchte, die wichtig sind und ausschlaggebend für die Sinnhaftigkeit ihres
Betreibens.
Viel wird vom technischen Fortschritt gesprochen, dies ist
ein rationaler Begriff. Er ist fassbar, erklärbar und verständlich. Wie sieht
es dagegen mit dem Fortschritt des Menschen als Individuum aus? Beobachtet man
die Gesellschaft, mit dem stetigen Anstieg von Armut, Gewalt und
Gleichgültigkeit, die Zerrissenheit innerhalb von Familien, den steten Anstieg
der Zahlen von Menschen, die scheinbar nur im Singledasein ihre Erfüllung
finden und sich auch im Sozialgefüge immer mehr auf ihre individuellen Ziele
konzentrieren, bekommt man Zweifel, dass der Mensch an sich, noch Fortschritte
in seiner Entwicklung macht. Er kann die neuesten Maschinen bedienen, kennt
sich mit Computerprogrammen aus, kann die Natur und alles um ihn herum
beschreiben, nur nicht mit seiner Gattung vernünftig umgehen. Ist der Mensch
fortschrittlich? Technik nimmt ihm viel ab und erspart ihm am Ende sogar die
Notwendigkeit mit anderen persönlich zu kommunizieren. Das bedienen von
Maschinen ist vorgeschrieben, immer dieselben Handgriffe, immer dieselben
Gedanken, bis zur Gedankenlosigkeit. Die Masse steht unter permanenten Druck, erzeugt
durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, dem Umgang der Vorgesetzten mit den
Untergebenen, der Bürokratie mit dem Volk, dem Wegfall aller Sicherheiten, die
einen Lebensweg eines denkenden Wesens begleiten sollten. Ja es gibt sie, die
Individuen, denen gerade die Unsicherheiten in dieser Welt als Ansporn und
Energie-Reservoir dienen. Diese bilden allerdings die Minderheit und sollten
nicht als Vorbild einer ganzen Gesellschaft dienen. Die Mehrheit leidet unter
den Bedingungen und windet sich unter dem Druck. Krankheiten und krankhafte
Ansichten beginnen sich wieder zu verbreiten. Es war in der Geschichte der
Menschheit noch nie anders. Jedes dieser geschichtlichen Systeme begann mit der
Freude der Menschen über Veränderung und anschließender Vernichtung des Systems
durch Menschen. Wie sieht es aus mit der humanistischen Fortbildung? Wie ernst
wird dies zum Beispiel in Deutschland betrieben? Wie weit sind sie, in Bezug
auf die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Frauen und Frauen, Männern und
Männern? Vergessen sie nicht des Öfteren, dass den 80 Millionen ca. 7
Milliarden Ausländer gegenüberstehen? Menschen mit denselben Eigenschaften und
Bedürfnissen, Menschen mit den gleichen Erbanlagen und den gleichen geistigen
Voraussetzungen.
All dies und gesamtgesellschaftlich zu akzeptieren, wäre
wohl ein tatsächlicher Fortschritt in Bezug auf die menschliche Gesellschaft
gewesen. Gelernt wird nur durch Schmerzen, Tote Frauen, Kinder, Ausländer, viele tote Menschen, säumen den
Weg einer Gesellschaft, die immer noch ihren Weg sucht. Dieses Aufgabengebiet
wurde zu lange unterschätzt und bedarf nun einer genaueren Betrachtung.
Technischer Fortschritt ist das angenehmere Thema. Alles was
die Abläufe effizienter und effektiver macht, die Ressourcen der Natur durch
Minderverbrauch schützt ist willkommen. Durch entsprechende Berechnungen lassen
sich auch die Ergebnisse besser einschätzen, als im Gegensatz dazu die
Entwicklung der Menschen. Diese behalten immer einen Überraschungsmoment und
reagieren so, wie man es nicht erwartet.
Technischer Fortschritt und die dafür notwendige Forschung
kosten Geld, Geld welches durch diese Form der Nutzung, dem Konsum der
Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Anfangsinvestitionen sind oft
sehr hoch. Die Beteiligten möchten diese in kürzester Zeit in Form von Gewinnen
zurückerhalten. Der Gewinnzwang und die Zeit bestimmen die Wucht, mit der die
Bevölkerung, mit den Auswirkungen von Forschung und anschließender Entwicklung
konfrontiert werden. Doppelt schlimm fallen die Reaktionen aus, wenn die
Projekte unter falscher und verschleiernder Kommunikation leiden, die Ziele und
Erwartungen für die Zukunft nicht deutlich erklärt werden können und Zweifel an
der Wirksamkeit der Maßnahmen geschürt werden. Wieder der Mensch als Gewohnheitstier,
der Masse ist der eigene Stand wichtiger, als die Entwicklung des Ganzen. Wer
will heute auf etwas verzichten, um einer ungeborenen Generation zu dienen? Wer
glaubt, Teil der Zukunft zu sein, wo doch immer davon gesprochen wird, man
solle im hier und jetzt leben. Widersprüche über Widersprüche.
Als die Gesellschaft in Europa noch die größten Sprünge im
Bereich der industriellen Entwicklung machte, waren auch die Menschen am
Ärmsten dran. Der Konsum sank manches Mal gegen null. Kriege waren an der
Tagesordnung. Heute scheint man gerne am Alten festzuhalten, nur noch
Detailfragen werden gelöst, alles konzentriert sich auf die Konsumgüter, auf
den Handel.
Wind und Sonne, Wasser und Feuer, welche Umwälzungen stehen
uns nun bevor, welcher Weg wird der richtige sein, geht man ihn alleine oder
schließen sich andere an?
Vieles endet immer noch an nationalen Grenzen. Die
Überzeugungen des Einen sind der Graus des Anderen. Kleingeistigkeit beherrscht
heute wie schon immer große Teile der agierenden Personen. Sie sind
Bruderschaften, Vereinen, Firmen und anderen Gruppen verpflichtet. Manch einer
verliert dadurch den weiten Blick für das Gesamte. Eigennutz ist wohl
weitverbreiteter als viele annehmen. Verständlich, wenn man die Sprüche: „Man
lebt nur einmal!“ und „Nach mir die Sintflut!“, ernst nimmt.
Konsumieren kann die Welt, wenn sie im Überfluss lebt und
dieser gleichmäßig auf der Welt verteilt wäre. Ist er aber nicht. Menschen
hungern und verhungern heute wie damals. Die einen leben in Frieden, die
anderen im Krieg, die einen haben alles, die anderen nichts. Die einen Glauben
an die Zukunft, die anderen haben keine. Dies ist das unverständliche an dieser
Welt, deren Geheimnisse noch lange nicht ergründet sind, deren
Ungerechtigkeiten noch lange nicht beseitigt sind. Man steht immer wieder vor
dem Neubeginn. Ausgewogenheit fehlt ihr.
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