Donnerstag, 2. Mai 2013

Alles ist -„Kommunikation“- ist alles


Alles ist -„Kommunikation“-  ist alles


Die Meister der Kommunikation überall auf der Welt in allen möglichen Positionen haben bisher noch keinen Beitrag zu Verbesserung dieser Welt geleistet. Das Vorwort Experte, lässt die Masse in Ehrfurcht erstarren und fast alles für bare Münze  nehmen, was diese Menschen von sich geben.  Es kommt immer weniger auf den Inhalt, als vielmehr auf die Formen der Kommunikation an. Nimmt man zum Beispiel die politische Agenda 2010 unter die Lupe, bedeutete sie für viele Betroffene einen rasanteren Abstieg auf der sozialen Leiter des Systems. Alle jubelten. Diejenigen, die kurz darauf ihre Jobs verloren, kamen wohl erst in der Isolation auf den Gedanken, dass die gute, alte Regelung vorteilhafter war. Jetzt wurden sie aber nicht mehr nach ihrer Meinung gefragt! Denn plötzlich gehörten sie der anderen Seite der Gesellschaft an. Dem menschlichen Müll, der nur Kosten produziert und ein Klotz am Bein der kapitalistischen Gesellschaft darstellt. Klingt hart, ist aber rein rechnerisch so. Und wer heute noch fröhlich durch die Lande saust, kann morgen schon dazugehören. Ob Krankheit oder wirtschaftliche Fehlentwicklungen, das Ergebnis bleibt dasselbe.
Da wurde also etwas kommunikativ verkauft, was niemand persönlich erleben und ertragen möchte. Und dies in einem Umfeld, welches gekennzeichnet war und ist, von Lohnrückgängen und dem steten Abbau von qualitativ, ansprechenden Arbeitsplätzen. Nach jedem Boom, folgt die Sättigung. Wenn man alles so laufen lässt, wie es läuft. Nach jedem industriellen Zusammenbruch, entstehen weniger Ersatzarbeitsplätze. Oder anders gesagt, den sogenannten neuen Arbeitsplätzen stehen eine Menge unter- und überqualifizierter Menschen gegenüber, die einfach niemand haben will. Man sucht mal wieder den 20 jährigen Vollprofi, der gerade seine Lehre in genau dem neuentstandenen Fachgebiet abgeschlossen hat. Und wird nicht fündig. Und für alle anderen gilt: 2010.
Wie so oft, ist die Freude des Einen, das Leid des Anderen.
Verfolgt man das Tagesgeschehen, kann man deutlich erkennen, dass immer weniger Menschen in der Lage sind, die derzeitigen Geschehnisse in vernünftige, verständliche Sätze zu packen. Geschweige zu erklären, was dieses und jenes für Auswirkungen in der Zukunft haben wird. Immer mehr Personen des öffentlichen Lebens scheinen nicht im Ansatz über die notwendigen Informationen zu verfügen. Projekte des öffentlichen Interesses verzögern und verteuern sich wie von selbst. Wieso, weshalb und auch warum, bleibt tatsächlich im Dunkeln. In der heutigen Zeit, ein Vierteljahrhundert nach der Wende, braucht man nicht mehr zu erklären, man braucht nur zu nehmen. Der Widerstand, das Interesse, der Wille der Öffentlichkeit, des Volkes scheinen gebrochen. Nur Lärmbelästigung erzeugt noch Energie und kämpferische Protestaktionen.
24 Jahre schlecht Nachrichten mit lächelnden Gesichtern verbreitet, haben die Menschen abstumpfen lassen. Für ein Stück alte Mauer, welches dem Fortschritt oder dem Investment weichen muss, gehen die Menschen auf die Straße, für verarmte, getötete Kinder regt sich das Herz nicht mehr.
Wenn statt Worten, Fäuste fliegen, Ausgrenzung zum Alltag gehört, sich Kommunikation zum Druckmittel entwickelt, um Umsätze zu steigern, Wahrheiten zu umschreiben, die Lage der Verzweifelten zu negieren, man beginnt, Minderheiten zu betiteln, Entwicklungen zu beschönigen, Notwendigkeiten zu verdecken, Fehlverhalten zu missachten,  Unbehagen zu erzeugen, dann ist es soweit, die Waage neigt sich zur negativen Seite und die Waagschale füllt sich mit all dem schlechten, was der Mensch an sich nicht ertragen möchte aber in dieser Gesellschaft ertragen muss.
Die erlernten Kommunikationsstrategien der Vergangenheit treffen zunehmen auf wenig sprachbegabtes Publikum. Nachteile mit Vorteilen zu verdecken, Realitäten auszublenden, Gefahren zu verstecken, Ungenanntes als Gesagtes zu bezeichnen, den Sinn des Gesagten zu verschleiern, sprich, den Empfänger der Botschaft zu vereiern, ist heute immer noch möglich, wie vor Jahren, scheinbar sogar notwendiger, da die Marktverhältnisse sich zusehend verschlechtern.
Farben, Formen, Klänge, Visionen und Gerüche, alles ist Kommunikation, alles führt zu Gefühlen, diese bilden die Grundlagen für Meinungen. Dafür oder dagegen, mit oder ohne, ja oder nein, früher oder später, diese Entscheidungen sind abhängig von diesen vielen, oft unscheinbaren Faktoren, deren Wichtigkeit und Bedeutung zwar gerne im typisch menschlichen Zerlege Modus abstrahiert werden, deren gegenseitige Einflussnahme und Zusammengehörigkeit nur selten erschöpfend erklärt wird. Zu kompliziert, zu weitschweifend, zu wenig greifbar wären die Schlussfolgerungen. Musikern gelingt das Zusammenführen der Faktoren noch am besten, im Livekonzert.
Sicher lebt auch die Werbung, vom Wissen um die Einflussnahme jedes einzelnen Faktors. Sie wird immer schriller, bunter, lauter und schneller. Während das Leben und die Menschen immer langsamer und grauer werden und die Visionen des Lebens für sie eine ungewisse Form annehmen. Die Jugend mag noch schnell und laut sein, bis sie von den Nachstrebenden nach Jahren an den Rand gedrückt werden, von Menschen, die noch lauter und noch schneller sind.
Bleibt bei der Geschwindigkeit noch Zeit für Gefühle, kennt ein Motoradfahrer mit Tempo 220 auf der Autobahn noch das Gefühl Angst? Ist in einer Gesellschaft der Singles und Alleinerziehenden das Gefühl der Liebe noch tiefgreifend vorhanden? Können sich gute Gefühle, die das Vertrauen fördern überhaupt noch flächendeckend entwickeln?
Den Königen und Meistern der Kommunikation gelingt es heute, den Menschen ein gutes Gefühl zu machen, sie von Dingen zu überzeugen, die oftmals im Nachhinein als schmerzvolle Lektion des Lebens und des Vertrauens in die Familiensaga eingehen. Visionen und Geschichten, das Glück des Unglücklichen wird zelebriert, die Menschen mit leere infiltriert, mit nichts weiter als dem Glauben an ein Ergebnis, welches vielleicht eintritt, vielleicht auch nicht.
Die Visionen der Kommunikationsstrategen treffen in der heutigen Zeit immer öfter, auf völlig gegensätzliche Visionen der Empfänger. Egal, ob es sich um den Marktplatz innerhalb einer Stadt, eines Landes, eines Kontinents oder der Welt handelt, alles hat sich gewandelt, nichts ist einfach mal so erklärbar und nichts funktioniert so richtig gut.
Kommunikation führt zu Vertrauen oder Misstrauen, steigert die Umsätze und lässt sie zurückgehen, führt zu Krieg oder Frieden, macht Glücklich oder Unglücklich, sagt alles oder nichts, ist erfolgreich oder vergeblich. Jeder will jeden in jedem Bereich übertrumpfen, und immer spielt die Kommunikation dabei die entscheidende Rolle. Wer trifft den Zeitgeist mit seinen Bildern, Worten, Tönen und Farben am besten, welche Visionen werden von der Mehrheit noch verstanden und vor allem angenommen.
Nachdem Kommunikationstrainer alle Pfeile aus ihrem Köcher verschossen haben, oder anders gesagt, ihr Wortschatz und Satzbauwissen ausgeschöpft sind, entwickeln sie sich oft eine Stufe höher, zu Mentaltrainern. Nach dem Motto, in der Ruhe liegt die Kraft der Erkenntnis. Andere begeben sich auf die Suche, nach Gleichnissen in der Tierwelt, die helfen sollen, den Menschen zu einem funktionierenden Subjekt zu formen. Die menschliche Gesellschaft, als Ameisenstaat, oben Königin und König, unten das fleißige Ameisenvolk. Alles funktioniert wie von selbst, kaum Eingriffe der Führung notwendig, der Erfolg stellt sich von selbst ein.
Während bei den Ameisen und Bienenvölkern, dieses strebsame Verhalten genetisch vorprogrammiert ist, verfügt der Mensch nicht über eine solche Programmierung.  Im Gegenteil, die einen können selbstständig Denken und Handeln, die anderen beginnen ohne auswärtige Impulse in einen monotonen Trott zu verfallen, den Blick zu fokussieren und den Überblick, über die tatsächliche Lage zu verlieren. Erfahrungen, die in alten Tagen, von den älteren an die jüngeren weitergegeben wurden, versanden nun und geraten in Vergessenheit.  Jeder erhält nur noch das Wissen, welches für die Lösung seiner Aufgabe notwendig ist. Dies bedeutet in der Masse jedoch einen Rückgang der Kreativität. Es werden Soldaten geschaffen, die ihr Ziel mit Macht und nie nachlassender Energie verfolgen. Besonders gut, ist dies bei Sekten zu beobachten. Mache Geld, mache noch mehr Geld und noch mehr. Keine Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse des Gegenübers oder die Marktsituation. Gib dich selbst auf, um dem Großen und Ganzen zu dienen.
Aber auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen führen solche Modelle der Kommunikation und des sozialen Zusammenlebens, zu einem kontinuierlichen Abbau des Wissens und des Zusammenhalts.
Wer allen Menschen, egal welchen Alters, das Gefühl vorgaukelt, schon alles zu Wissen, nicht auf die Erfahrungen des Alters angewiesen zu sein, stellt die Welt langfristig auf den Kopf. Die gesellschaftliche Pyramide kommt ins Wanken, Wissen geht verloren, die Kommunikation zwischen den Generationen verödet.
Es gibt so unwahrscheinlich viele Lehrbücher und Trainings zum Thema Kommunikation. Wenn man alles gelesen hat und vieles gehört hat, bleibt immer noch die Frage, was fehlt da noch? Vieles kann man erlernen, Gestik, Mimik, Haptik, Satzbau und Wortstellung, Unwörter und tolle Wörter sowie den Gesprächsaufbau. Man kann dann sein Gegenüber wunderbar einschätzen und eventuell durchs Gespräch führen. Doch ist das alles Zielführend? Was ist mit der Wahrheit, dem Sinn des Ganzen, den Auswirkungen auf die Zukunft und den Auswirkungen auf die Individuen und die Gesellschaft?
Lügen im Verkauf, werden als verkäuferische Wahrheiten bezeichnet. Die Kunden erhalten ihre, auf sie persönlich zugeschnittene Wahrheit und sind damit oftmals gut bedient und glücklich. Die Auswirkungen halten sich je nach persönlicher Situation im Rahmen. Würde manche Wahrheit sie unglücklicher machen? Oder würde das Vertrauen siegen? Wer weiß dies schon.   
In einer Gesellschaft, die Erfolg überwiegend in Geld misst, erfolgreiche Kommunikation fast ausschließlich an diesem Wert gemessen wird, hat die Wahrheit keinen Wert mehr. Ob Politik oder Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Familie, alle nutzen die verkäuferische Wahrheit, also die Lüge, um sich Vorteile zu schaffen, Besitzstände zu erhalten und unliebsame Wahrheiten zu verdecken.
Allerdings ist die Lüge des einen auch die Wahrheit des anderen. Das ist das Wunderbare an allen Formen der Kommunikation. Alles lässt sich in die eine und andere Richtung drehen und wenden. Jeder kann alles so verstehen, wie er es möchte oder vermag.
Eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes, welche ihre Kunden als Abschaum bezeichnet, sagt wohl aus ihrer Sicht und Meinung die Wahrheit, aus Sicht dieser Opfer eines Systems, die Unwahrheit. Aus meiner Sicht, handelt es sich nur um die Auswirkung der gesellschaftlichen Erziehung, die das Missachten des menschlichen Lebens einschließt. So begann es immer.
Kommunikation kann eine Gesellschaft einen oder entzweien. Auf welchem Weg befindet sich Deutschland? Klassendünkel, Arm und Reich, Bildungsnah und Bildungsfern, erster und zweiter Arbeitsmarkt und alle diese klassischen Wortspiele, die dieser Gesellschaft schon immer anhafteten. Nach 24 Jahren der Wende immer noch in Ost und West zu denken, die Stasimitarbeiter mehr zu jagen, als jemals zuvor die Kriegsverbrecher der Nationalsozialisten mit ihren blutigen Händen, lässt Zweifel an der Richtigkeit des Kurses aufkommen.
Kommunikation kann eine Gesellschaft ins Licht oder ins Dunkel führen. Im Lichte besehen, würde Gleichberechtigung und Chancengleichheit für alle kein Gesprächsthema mehr sein, sondern Alltag. Bildungschancen und auch die Sicherheit des Lebens und des Hab und Gutes wären gewährleistet. Die dunklen Stellen beginnen sich auszubreiten, und dabei ist es wenig hilfreich, sich als Sehender unter den Blinden zu bezeichnen und nur auf die Spitze zu verweisen. Dies taten alle vorhergegangenen Systeme und scheiterten. Alles mit Gleichmut zu betrachten und alle Faktoren zu beachten kann sich als hilfreich erweisen, im Kampf um das Gute in dieser fragilen Welt. 

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