Donnerstag, 2. Mai 2013

Alles im Zusammenhang


Alles im Zusammenhang


Das Leben ist ein Haus mit unzähligen Fenstern und Türen. Der Mensch kann immer nur durch ein Fenster Blicken und durch eine Tür gehen. Man muss dies wohl erst begreifen und verstehen, um die Kompliziertheit des Ganzen zu erfassen. Selbst, wenn man durch alle Fenster geschaut hat und sich für die beste Aussicht entschieden hat, die Tür gewählt hat, die man durchschreiten möchte, kann sich alles anders entwickeln, kann die Aussicht trügerisch gewesen sein. Hinter den guten Aussichten verbergen sich Wahrheiten, Abläufe, Instrumentarien und gute wie schlechte Gefühle. So wie ein Künstler, ein unbekannter Maler, in Einsamkeit und hungrig sein schönstes Bild malt, welches dem Betrachter nichts über dessen Lebensumstände, seine Not verrät.
Es gibt nichts auf dieser Welt, was nicht schon gewesen wäre. Ob Gutes oder Schlechtes, alle Erfahrungen wurden schon gemacht. Alle Fragen wurden schon gestellt und alle Antworten wurden schon gegeben. Und Alles geriet immer wieder in Vergessenheit.
Schaut man sich die Entwicklungen in dieser Welt an, erhält man die Bestätigung, dass wirklich niemand in der Lage ist, alle Einflussfaktoren, welche die Abläufe auf unserem Planeten bestimmen und zu diesem oder jenem Ergebnis führen, zu kennen. Selbst Computerprogramme sind auf Informationen angewiesen, die nur der Mensch ihnen geben kann. Ohne diese Informationen wären sie so wertlos, wie Sand in der Wüste. Die Programmierer können nur Daten eingeben, die ihnen zur Verfügung stehen oder zur Verfügung gestellt werden. Bei allen, auf künstliche Technik bezogenen Programmen mögen die Ergebnisse einen hohen Wahrheitsgehalt erlangen. Überall, wo die Natur und der Mensch eine Rolle spielen, müssen die Ergebnisse angezweifelt werden, da sich die Natur auf lange Sicht, nach eigenen Gesetzen entwickelt und die Gefühle des Menschen sich wandeln und kaum vorhersehbar sind, aber einen großen Einfluss auf seine Handlungen haben.
Menschen sind und bleiben Individualisten, das ist die einzige Erklärung für die ständige Wiederholung desselben. Sie sind nicht am Ganzen und dem Zusammenhang interessiert, sondern, egal in welcher Position und in welcher Lage sie sich befinden, vor allem mit ihrer eigenen Situation befasst. Ob sie sich als Führer zusammenrotten, oder in der Opferrolle Bündnisse eingehen, es geht allen darum, die eigenen Ziele zu erreichen. Je größer der Druck von außen auf Menschen einwirkt, desto weniger Zusammenhänge werden noch wahrgenommen. Man konzentriert sich auf das Momentane, den Augenblick und verzichtet auf den Ausblick. Euphorie kann selbstverständlich auch zur Kurzsichtigkeit führen. Gewinner sind plötzlich Verlierer, Gewinne wandeln sich in Verluste, die Spieler verlieren ihre Mitspieler.
Es sind diese vielen Beispiele, die Zeugnis ablegen, für die Starrheit und Eingeschränktheit des menschlichen Geistes. Das Denken beginnt anfänglich immer umfangreicher zu werden, viele Möglichkeiten werden in Erwägung gezogen. Doch hat man sich auf eine Richtung festgelegt, verlassen immer mehr Einzelheiten den Blickbereich, werden immer mehr Einflussfaktoren negiert. Selbst offensichtliche Fehlentwicklungen werden als solche nicht mehr erkannt oder als unbedeutend eingestuft. Der Mensch hält an Dingen Fest, die ihm gefallen, das schöne Bild aufrechterhalten, selbst wenn sich rechts und links des Bildes und dahinter, die Schuttberge ansammeln. Es fällt ihm schwer, Wahrheiten zu akzeptieren, die sein persönliches Bild des Ganzen verunstalten, ihm den Weg versperren und zu Umwegen zwingen.  

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