Alles im Zusammenhang
Das Leben ist ein Haus mit unzähligen Fenstern und Türen.
Der Mensch kann immer nur durch ein Fenster Blicken und durch eine Tür gehen.
Man muss dies wohl erst begreifen und verstehen, um die Kompliziertheit des
Ganzen zu erfassen. Selbst, wenn man durch alle Fenster geschaut hat und sich
für die beste Aussicht entschieden hat, die Tür gewählt hat, die man
durchschreiten möchte, kann sich alles anders entwickeln, kann die Aussicht
trügerisch gewesen sein. Hinter den guten Aussichten verbergen sich Wahrheiten,
Abläufe, Instrumentarien und gute wie schlechte Gefühle. So wie ein Künstler,
ein unbekannter Maler, in Einsamkeit und hungrig sein schönstes Bild malt,
welches dem Betrachter nichts über dessen Lebensumstände, seine Not verrät.
Es gibt nichts auf dieser Welt, was nicht schon gewesen
wäre. Ob Gutes oder Schlechtes, alle Erfahrungen wurden schon gemacht. Alle
Fragen wurden schon gestellt und alle Antworten wurden schon gegeben. Und Alles
geriet immer wieder in Vergessenheit.
Schaut man sich die Entwicklungen in dieser Welt an, erhält
man die Bestätigung, dass wirklich niemand in der Lage ist, alle
Einflussfaktoren, welche die Abläufe auf unserem Planeten bestimmen und zu
diesem oder jenem Ergebnis führen, zu kennen. Selbst Computerprogramme sind auf
Informationen angewiesen, die nur der Mensch ihnen geben kann. Ohne diese
Informationen wären sie so wertlos, wie Sand in der Wüste. Die Programmierer
können nur Daten eingeben, die ihnen zur Verfügung stehen oder zur Verfügung
gestellt werden. Bei allen, auf künstliche Technik bezogenen Programmen mögen
die Ergebnisse einen hohen Wahrheitsgehalt erlangen. Überall, wo die Natur und
der Mensch eine Rolle spielen, müssen die Ergebnisse angezweifelt werden, da
sich die Natur auf lange Sicht, nach eigenen Gesetzen entwickelt und die
Gefühle des Menschen sich wandeln und kaum vorhersehbar sind, aber einen großen
Einfluss auf seine Handlungen haben.
Menschen sind und bleiben Individualisten, das ist die
einzige Erklärung für die ständige Wiederholung desselben. Sie sind nicht am
Ganzen und dem Zusammenhang interessiert, sondern, egal in welcher Position und
in welcher Lage sie sich befinden, vor allem mit ihrer eigenen Situation
befasst. Ob sie sich als Führer zusammenrotten, oder in der Opferrolle
Bündnisse eingehen, es geht allen darum, die eigenen Ziele zu erreichen. Je
größer der Druck von außen auf Menschen einwirkt, desto weniger Zusammenhänge
werden noch wahrgenommen. Man konzentriert sich auf das Momentane, den
Augenblick und verzichtet auf den Ausblick. Euphorie kann selbstverständlich
auch zur Kurzsichtigkeit führen. Gewinner sind plötzlich Verlierer, Gewinne
wandeln sich in Verluste, die Spieler verlieren ihre Mitspieler.
Es sind diese vielen Beispiele, die Zeugnis ablegen, für die
Starrheit und Eingeschränktheit des menschlichen Geistes. Das Denken beginnt
anfänglich immer umfangreicher zu werden, viele Möglichkeiten werden in
Erwägung gezogen. Doch hat man sich auf eine Richtung festgelegt, verlassen
immer mehr Einzelheiten den Blickbereich, werden immer mehr Einflussfaktoren
negiert. Selbst offensichtliche Fehlentwicklungen werden als solche nicht mehr
erkannt oder als unbedeutend eingestuft. Der Mensch hält an Dingen Fest, die
ihm gefallen, das schöne Bild aufrechterhalten, selbst wenn sich rechts und
links des Bildes und dahinter, die Schuttberge ansammeln. Es fällt ihm schwer,
Wahrheiten zu akzeptieren, die sein persönliches Bild des Ganzen verunstalten,
ihm den Weg versperren und zu Umwegen zwingen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen