Alles ist -„Kommunikation“- ist
alles
Die Meister der Kommunikation überall auf der Welt in allen
möglichen Positionen haben bisher noch keinen Beitrag zu Verbesserung dieser
Welt geleistet. Das Vorwort Experte, lässt die Masse in Ehrfurcht erstarren und
fast alles für bare Münze nehmen, was
diese Menschen von sich geben. Es kommt
immer weniger auf den Inhalt, als vielmehr auf die Formen der Kommunikation an.
Nimmt man zum Beispiel die politische Agenda 2010 unter die Lupe, bedeutete sie
für viele Betroffene einen rasanteren Abstieg auf der sozialen Leiter des
Systems. Alle jubelten. Diejenigen, die kurz darauf ihre Jobs verloren, kamen
wohl erst in der Isolation auf den Gedanken, dass die gute, alte Regelung vorteilhafter
war. Jetzt wurden sie aber nicht mehr nach ihrer Meinung gefragt! Denn
plötzlich gehörten sie der anderen Seite der Gesellschaft an. Dem menschlichen
Müll, der nur Kosten produziert und ein Klotz am Bein der kapitalistischen
Gesellschaft darstellt. Klingt hart, ist aber rein rechnerisch so. Und wer
heute noch fröhlich durch die Lande saust, kann morgen schon dazugehören. Ob
Krankheit oder wirtschaftliche Fehlentwicklungen, das Ergebnis bleibt dasselbe.
Da wurde also etwas kommunikativ verkauft, was niemand
persönlich erleben und ertragen möchte. Und dies in einem Umfeld, welches
gekennzeichnet war und ist, von Lohnrückgängen und dem steten Abbau von
qualitativ, ansprechenden Arbeitsplätzen. Nach jedem Boom, folgt die Sättigung.
Wenn man alles so laufen lässt, wie es läuft. Nach jedem industriellen
Zusammenbruch, entstehen weniger Ersatzarbeitsplätze. Oder anders gesagt, den
sogenannten neuen Arbeitsplätzen stehen eine Menge unter- und
überqualifizierter Menschen gegenüber, die einfach niemand haben will. Man
sucht mal wieder den 20 jährigen Vollprofi, der gerade seine Lehre in genau dem
neuentstandenen Fachgebiet abgeschlossen hat. Und wird nicht fündig. Und für
alle anderen gilt: 2010.
Wie so oft, ist die Freude des Einen, das Leid des Anderen.
Verfolgt man das Tagesgeschehen, kann man deutlich erkennen,
dass immer weniger Menschen in der Lage sind, die derzeitigen Geschehnisse in
vernünftige, verständliche Sätze zu packen. Geschweige zu erklären, was dieses
und jenes für Auswirkungen in der Zukunft haben wird. Immer mehr Personen des
öffentlichen Lebens scheinen nicht im Ansatz über die notwendigen Informationen
zu verfügen. Projekte des öffentlichen Interesses verzögern und verteuern sich
wie von selbst. Wieso, weshalb und auch warum, bleibt tatsächlich im Dunkeln. In
der heutigen Zeit, ein Vierteljahrhundert nach der Wende, braucht man nicht
mehr zu erklären, man braucht nur zu nehmen. Der Widerstand, das Interesse, der
Wille der Öffentlichkeit, des Volkes scheinen gebrochen. Nur Lärmbelästigung
erzeugt noch Energie und kämpferische Protestaktionen.
24 Jahre schlecht Nachrichten mit lächelnden Gesichtern
verbreitet, haben die Menschen abstumpfen lassen. Für ein Stück alte Mauer,
welches dem Fortschritt oder dem Investment weichen muss, gehen die Menschen
auf die Straße, für verarmte, getötete Kinder regt sich das Herz nicht mehr.
Wenn statt Worten, Fäuste fliegen, Ausgrenzung zum Alltag
gehört, sich Kommunikation zum Druckmittel entwickelt, um Umsätze zu steigern, Wahrheiten
zu umschreiben, die Lage der Verzweifelten zu negieren, man beginnt,
Minderheiten zu betiteln, Entwicklungen zu beschönigen, Notwendigkeiten zu
verdecken, Fehlverhalten zu missachten,
Unbehagen zu erzeugen, dann ist es soweit, die Waage neigt sich zur negativen
Seite und die Waagschale füllt sich mit all dem schlechten, was der Mensch an
sich nicht ertragen möchte aber in dieser Gesellschaft ertragen muss.
Die erlernten Kommunikationsstrategien der Vergangenheit
treffen zunehmen auf wenig sprachbegabtes Publikum. Nachteile mit Vorteilen zu
verdecken, Realitäten auszublenden, Gefahren zu verstecken, Ungenanntes als Gesagtes
zu bezeichnen, den Sinn des Gesagten zu verschleiern, sprich, den Empfänger der
Botschaft zu vereiern, ist heute immer noch möglich, wie vor Jahren, scheinbar
sogar notwendiger, da die Marktverhältnisse sich zusehend verschlechtern.
Farben, Formen, Klänge, Visionen und Gerüche, alles ist
Kommunikation, alles führt zu Gefühlen, diese bilden die Grundlagen für
Meinungen. Dafür oder dagegen, mit oder ohne, ja oder nein, früher oder später,
diese Entscheidungen sind abhängig von diesen vielen, oft unscheinbaren
Faktoren, deren Wichtigkeit und Bedeutung zwar gerne im typisch menschlichen
Zerlege Modus abstrahiert werden, deren gegenseitige Einflussnahme und
Zusammengehörigkeit nur selten erschöpfend erklärt wird. Zu kompliziert, zu
weitschweifend, zu wenig greifbar wären die Schlussfolgerungen. Musikern
gelingt das Zusammenführen der Faktoren noch am besten, im Livekonzert.
Sicher lebt auch die Werbung, vom Wissen um die
Einflussnahme jedes einzelnen Faktors. Sie wird immer schriller, bunter, lauter
und schneller. Während das Leben und die Menschen immer langsamer und grauer
werden und die Visionen des Lebens für sie eine ungewisse Form annehmen. Die
Jugend mag noch schnell und laut sein, bis sie von den Nachstrebenden nach
Jahren an den Rand gedrückt werden, von Menschen, die noch lauter und noch
schneller sind.
Bleibt bei der Geschwindigkeit noch Zeit für Gefühle, kennt
ein Motoradfahrer mit Tempo 220 auf der Autobahn noch das Gefühl Angst? Ist in
einer Gesellschaft der Singles und Alleinerziehenden das Gefühl der Liebe noch
tiefgreifend vorhanden? Können sich gute Gefühle, die das Vertrauen fördern
überhaupt noch flächendeckend entwickeln?
Den Königen und Meistern der Kommunikation gelingt es heute,
den Menschen ein gutes Gefühl zu machen, sie von Dingen zu überzeugen, die
oftmals im Nachhinein als schmerzvolle Lektion des Lebens und des Vertrauens in
die Familiensaga eingehen. Visionen und Geschichten, das Glück des
Unglücklichen wird zelebriert, die Menschen mit leere infiltriert, mit nichts
weiter als dem Glauben an ein Ergebnis, welches vielleicht eintritt, vielleicht
auch nicht.
Die Visionen der Kommunikationsstrategen treffen in der heutigen
Zeit immer öfter, auf völlig gegensätzliche Visionen der Empfänger. Egal, ob es
sich um den Marktplatz innerhalb einer Stadt, eines Landes, eines Kontinents
oder der Welt handelt, alles hat sich gewandelt, nichts ist einfach mal so
erklärbar und nichts funktioniert so richtig gut.
Kommunikation führt zu Vertrauen oder Misstrauen, steigert
die Umsätze und lässt sie zurückgehen, führt zu Krieg oder Frieden, macht
Glücklich oder Unglücklich, sagt alles oder nichts, ist erfolgreich oder
vergeblich. Jeder will jeden in jedem Bereich übertrumpfen, und immer spielt
die Kommunikation dabei die entscheidende Rolle. Wer trifft den Zeitgeist mit
seinen Bildern, Worten, Tönen und Farben am besten, welche Visionen werden von
der Mehrheit noch verstanden und vor allem angenommen.
Nachdem Kommunikationstrainer alle Pfeile aus ihrem Köcher
verschossen haben, oder anders gesagt, ihr Wortschatz und Satzbauwissen
ausgeschöpft sind, entwickeln sie sich oft eine Stufe höher, zu Mentaltrainern.
Nach dem Motto, in der Ruhe liegt die Kraft der Erkenntnis. Andere begeben sich
auf die Suche, nach Gleichnissen in der Tierwelt, die helfen sollen, den
Menschen zu einem funktionierenden Subjekt zu formen. Die menschliche
Gesellschaft, als Ameisenstaat, oben Königin und König, unten das fleißige
Ameisenvolk. Alles funktioniert wie von selbst, kaum Eingriffe der Führung
notwendig, der Erfolg stellt sich von selbst ein.
Während bei den Ameisen und Bienenvölkern, dieses strebsame
Verhalten genetisch vorprogrammiert ist, verfügt der Mensch nicht über eine
solche Programmierung. Im Gegenteil, die
einen können selbstständig Denken und Handeln, die anderen beginnen ohne
auswärtige Impulse in einen monotonen Trott zu verfallen, den Blick zu fokussieren
und den Überblick, über die tatsächliche Lage zu verlieren. Erfahrungen, die in
alten Tagen, von den älteren an die jüngeren weitergegeben wurden, versanden
nun und geraten in Vergessenheit. Jeder
erhält nur noch das Wissen, welches für die Lösung seiner Aufgabe notwendig
ist. Dies bedeutet in der Masse jedoch einen Rückgang der Kreativität. Es
werden Soldaten geschaffen, die ihr Ziel mit Macht und nie nachlassender
Energie verfolgen. Besonders gut, ist dies bei Sekten zu beobachten. Mache
Geld, mache noch mehr Geld und noch mehr. Keine Rücksicht nehmen auf die
Bedürfnisse des Gegenübers oder die Marktsituation. Gib dich selbst auf, um dem
Großen und Ganzen zu dienen.
Aber auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen
führen solche Modelle der Kommunikation und des sozialen Zusammenlebens, zu
einem kontinuierlichen Abbau des Wissens und des Zusammenhalts.
Wer allen Menschen, egal welchen Alters, das Gefühl
vorgaukelt, schon alles zu Wissen, nicht auf die Erfahrungen des Alters
angewiesen zu sein, stellt die Welt langfristig auf den Kopf. Die
gesellschaftliche Pyramide kommt ins Wanken, Wissen geht verloren, die
Kommunikation zwischen den Generationen verödet.
Es gibt so unwahrscheinlich viele Lehrbücher und Trainings
zum Thema Kommunikation. Wenn man alles gelesen hat und vieles gehört hat,
bleibt immer noch die Frage, was fehlt da noch? Vieles kann man erlernen,
Gestik, Mimik, Haptik, Satzbau und Wortstellung, Unwörter und tolle Wörter
sowie den Gesprächsaufbau. Man kann dann sein Gegenüber wunderbar einschätzen
und eventuell durchs Gespräch führen. Doch ist das alles Zielführend? Was ist
mit der Wahrheit, dem Sinn des Ganzen, den Auswirkungen auf die Zukunft und den
Auswirkungen auf die Individuen und die Gesellschaft?
Lügen im Verkauf, werden als verkäuferische Wahrheiten
bezeichnet. Die Kunden erhalten ihre, auf sie persönlich zugeschnittene
Wahrheit und sind damit oftmals gut bedient und glücklich. Die Auswirkungen
halten sich je nach persönlicher Situation im Rahmen. Würde manche Wahrheit sie
unglücklicher machen? Oder würde das Vertrauen siegen? Wer weiß dies schon.
In einer Gesellschaft, die Erfolg überwiegend in Geld misst,
erfolgreiche Kommunikation fast ausschließlich an diesem Wert gemessen wird,
hat die Wahrheit keinen Wert mehr. Ob Politik oder Wirtschaft, Bildung,
Gesundheit und Familie, alle nutzen die verkäuferische Wahrheit, also die Lüge,
um sich Vorteile zu schaffen, Besitzstände zu erhalten und unliebsame
Wahrheiten zu verdecken.
Allerdings ist die Lüge des einen auch die Wahrheit des
anderen. Das ist das Wunderbare an allen Formen der Kommunikation. Alles lässt
sich in die eine und andere Richtung drehen und wenden. Jeder kann alles so
verstehen, wie er es möchte oder vermag.
Eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes, welche ihre Kunden als
Abschaum bezeichnet, sagt wohl aus ihrer Sicht und Meinung die Wahrheit, aus
Sicht dieser Opfer eines Systems, die Unwahrheit. Aus meiner Sicht, handelt es
sich nur um die Auswirkung der gesellschaftlichen Erziehung, die das Missachten
des menschlichen Lebens einschließt. So begann es immer.
Kommunikation kann eine Gesellschaft einen oder entzweien.
Auf welchem Weg befindet sich Deutschland? Klassendünkel, Arm und Reich,
Bildungsnah und Bildungsfern, erster und zweiter Arbeitsmarkt und alle diese
klassischen Wortspiele, die dieser Gesellschaft schon immer anhafteten. Nach 24
Jahren der Wende immer noch in Ost und West zu denken, die Stasimitarbeiter
mehr zu jagen, als jemals zuvor die Kriegsverbrecher der Nationalsozialisten
mit ihren blutigen Händen, lässt Zweifel an der Richtigkeit des Kurses aufkommen.
Kommunikation kann eine Gesellschaft ins Licht oder ins
Dunkel führen. Im Lichte besehen, würde Gleichberechtigung und
Chancengleichheit für alle kein Gesprächsthema mehr sein, sondern Alltag.
Bildungschancen und auch die Sicherheit des Lebens und des Hab und Gutes wären
gewährleistet. Die dunklen Stellen beginnen sich auszubreiten, und dabei ist es
wenig hilfreich, sich als Sehender unter den Blinden zu bezeichnen und nur auf
die Spitze zu verweisen. Dies taten alle vorhergegangenen Systeme und
scheiterten. Alles mit Gleichmut zu betrachten und alle Faktoren zu beachten
kann sich als hilfreich erweisen, im Kampf um das Gute in dieser fragilen Welt.