Wie Unternehmen Mitarbeiter zur Kündigung treiben
Im Gegensatz zu früher, als noch ein offenes Wort und der
Handschlag zwischen zwei Personen gegeben, die Absprache besiegelte, man sich
in die Augen schaute und sagte, „du, es geht nicht mehr mit uns“, werden heute
hinterhältige Pläne erstellt, in enger Zusammenarbeit zwischen externen
Beratungsfirmen und den Chefetagen.
Kündigungsmanagement entwickelt sich in der heutigen Zeit zu
einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dennoch läuft alles vielfach so holprig
und ungeschickt ab, dass man wirklich nur am Intellekt der Beteiligten zweifeln
kann. Es geht wie bei allen wirtschaftlichen Abläufen um die Gewinnmaximierung
zugunsten des Unternehmens gegen die Beschäftigten, um die Umgehung
gesetzlicher Rahmenbedingungen um die Zerstörung von Personen.
In meinem Fall wurde über einen langen Zeitraum das Gerücht
unter den Mitarbeitern verbreitet, es gäbe einen Rechtsanwalt, der sich
besonders für alle Mitarbeiter des betroffenen Mobilfunkkonzerns einsetzen
würde. Immer wieder sprachen
Mitarbeiter und auch Führungskräfte
davon. Das nennt man dann wohl „ einen Anker setzen“. Dies bedeutet, in einem
Mitarbeiter einen Gedanken verfestigen und diesen zu seinem Hauptgedanken
machen. Die Erzählungen von erfolgreichen Klagen bekannter Mitarbeiter und
Führungskräfte sollten die Geschichte noch untermauern, es sollte den oder die Mitarbeiter
in Sicherheit wiegen und ihm oder ihnen einen Ausweg zeigen.
Gleichzeitig läuft die Maschinerie des gezielten „Unterdrucksetzens“
an. Beschwerden aus dem Nichts heraus, Briefe ohne Unterschrift, Beschneidung
der beruflichen Befugnisse, Negierung der Ergebnisse durch gezielte
Torpedierung der Ergebnisse, Verunglimpfung gegenüber Kunden und Mitarbeitern
und zwischendurch immer der Goldschimmer am Horizont, der Anwalt mit dem
Goldkehlchen, mit der Erfolgsgarantie aufgrund angeblicher Antipathie gegenüber
den, ach so schrecklichen Vorgesetzten. Und dann geht alles ganz schnell, ein
Personalgespräch jagt das Nächste, eine Erniedrigung folgt der Anderen, die
Zeit um Gedanken zu ordnen und Entscheidungen wohl überlegt zu treffen wurde für mich immer geringer. Der
Betriebsrat schwieg. Man wird als krank bezeichnet, als arrogant, als
erfolgloses Stück etwas. Ich griff zum Telefon, ich rief den besagten
Heilsbringer an. Der beschimpfte seinen angeblichen Erzfeind noch einmal intensiv
und versprach mir, meinen Fall erfolgreich, wie alle anderen zu einem
erfreulichen Ende zu bringen.
Er schickte mir seinen Vertrag zu, Anwaltsgebühren in Höhe
von 10000 Euro gegen die Garantie von
einer Summe x, welche die Hälfte, der mir gesetzlich zustehenden Abfindung
betrug. Das ganze machte mich stutzig,
ich suchte diesen Anwalt im Internet und fand seine Seite.
Der Mobilfunker baute
in dem Jahr gerade massiv Mitarbeiter ab.
Hier nun der Text der Beschreibung des netten, unaufdringlichen
Anwalts, der sich so und ähnlich auf vielen Seiten im Internet finden lässt (in
Auszügen):
„Restrukturierung,
Wir sind erfahrene arbeitsrechtliche Praktiker auf dem
Tätigkeitsfeld der Restrukturierung von Unternehmen und unterstützen bundesweit
mit einem „ganzheitlichen“ Ansatz zu Personalabbau gezwungene Arbeitgeber von
der ersten Phase der internen „Abstimmung“ der „konzeptionellen“ und „strategischen“
Vorgehensweise bis hin zur „Beendigung“ der Arbeitsverhältnisse der betroffenen
Mitarbeiter.
Eine Referenzliste über zahlreiche von uns in der jüngeren
Vergangenheit begleitete Abbaumaßnahmen
wird auf Anforderung gerne übersandt.
Unser Konzept bietet bei „Vermeidung“ (besser wohl Umgehung)
betriebsbedingter Kündigungen insbesondere folgende Vorteile:
-
Die zeitnahe Umsetzung der notwendigen „Maßnahmen“,
d. h. im Bedarfsfall scheiden Mitarbeiter bereits 6-8 Wochen nach Aufnahme der
Verhandlungen mit dem Betriebspartner
beim Arbeitgeber aus
-
Eine für den Arbeitgeber „kostenneutrale
Steigerung der finanziellen Zuwendungen“ an die betroffenen Mitarbeiter
-
Den größtmöglichen Handlungsspielraum bei der
Auswahl der freizusetzenden Mitarbeiter „jenseits“ vorgegebener
Sozialauswahlkriterien
-
Weitere hohe Einsparpotentiale auf der „Arbeitgeberseite“
...Dies bedeutet, dass mehr als 90 von 100 Mitarbeitern mit
den Rahmenbedingungen unseres Konzeptes einverstanden sind, weil sie die
Vorteile gegenüber dem bloßen Erhalt einer Abfindung erkennen.
...Neben der speziellen Beratung bei
Restrukturierungsmaßnahmen ist die Kanzlei bei sämtlichen Fragen im
Zusammenhang mit der Begründung von Arbeitsverhältnissen, den Rechten und
Pflichten aus Arbeitsverhältnissen und deren Beendigung beratend und bei der
Vertretung vor Arbeitsgerichten tätig. Spezifische kollektivrechtliche
Fragestellungen, die sich aus der Zusammenarbeit von Arbeitgebern mit einem
Betriebsrat oder einer Personalvertretung ergeben, werden dabei
selbstverständlich berücksichtigt.“
Ende des Auszugs
Der Plan ist brutal und kostet am Ende manchem Mitarbeiter
die Gesundheit, manchmal auch das Leben. Wir wollen nicht wissen, wie viele Mitarbeiter
dem aufgebauten Druck am Ende völlig erliegen.
Nur weil sie auf ein angebliches Recht bestehen, welches am
Ende von den Entscheidern nicht gemocht wird.
Ich wäre auch so gegangen, andere trieben mich zu
Handlungen, welche heute vielleicht mein gesellschaftliches Ende bedeuten. Ich stehe nun dazu, als
ehemaliger DDR Bürger trage ich den Kopf bis zum Ende auf der Schulter und
nicht wie so viele in diesem Land unter dem Arm.
Sprecht doch mal offen mit den Leuten, verarscht sie nicht
nur.
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