Montag, 21. Januar 2013

Wie Unternehmen Mitarbeiter zur Kündigung treiben


Wie Unternehmen Mitarbeiter zur Kündigung treiben


 

Im Gegensatz zu früher, als noch ein offenes Wort und der Handschlag zwischen zwei Personen gegeben, die Absprache besiegelte, man sich in die Augen schaute und sagte, „du, es geht nicht mehr mit uns“, werden heute hinterhältige Pläne erstellt, in enger Zusammenarbeit zwischen externen Beratungsfirmen und den Chefetagen.  

Kündigungsmanagement entwickelt sich in der heutigen Zeit zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dennoch läuft alles vielfach so holprig und ungeschickt ab, dass man wirklich nur am Intellekt der Beteiligten zweifeln kann. Es geht wie bei allen wirtschaftlichen Abläufen um die Gewinnmaximierung zugunsten des Unternehmens gegen die Beschäftigten, um die Umgehung gesetzlicher Rahmenbedingungen um die Zerstörung von Personen.

In meinem Fall wurde über einen langen Zeitraum das Gerücht unter den Mitarbeitern verbreitet, es gäbe einen Rechtsanwalt, der sich besonders für alle Mitarbeiter des betroffenen Mobilfunkkonzerns einsetzen würde. Immer  wieder sprachen Mitarbeiter  und auch Führungskräfte davon. Das nennt man dann wohl „ einen Anker setzen“. Dies bedeutet, in einem Mitarbeiter einen Gedanken verfestigen und diesen zu seinem Hauptgedanken machen. Die Erzählungen von erfolgreichen  Klagen bekannter Mitarbeiter und Führungskräfte sollten die Geschichte noch untermauern, es sollte den oder die Mitarbeiter in Sicherheit wiegen und ihm oder ihnen einen Ausweg zeigen.

Gleichzeitig läuft die Maschinerie des gezielten „Unterdrucksetzens“ an. Beschwerden aus dem Nichts heraus, Briefe ohne Unterschrift, Beschneidung der beruflichen Befugnisse, Negierung der Ergebnisse durch gezielte Torpedierung der Ergebnisse, Verunglimpfung gegenüber Kunden und Mitarbeitern und zwischendurch immer der Goldschimmer am Horizont, der Anwalt mit dem Goldkehlchen, mit der Erfolgsgarantie aufgrund angeblicher Antipathie gegenüber den, ach so schrecklichen Vorgesetzten. Und dann geht alles ganz schnell, ein Personalgespräch jagt das Nächste, eine Erniedrigung folgt der Anderen, die Zeit um Gedanken zu ordnen und Entscheidungen wohl überlegt  zu treffen wurde für mich immer geringer. Der Betriebsrat schwieg. Man wird als krank bezeichnet, als arrogant, als erfolgloses Stück etwas. Ich griff zum Telefon, ich rief den besagten Heilsbringer an. Der beschimpfte seinen angeblichen Erzfeind noch einmal intensiv und versprach mir, meinen Fall erfolgreich, wie alle anderen zu einem erfreulichen Ende zu bringen.

Er schickte mir seinen Vertrag zu, Anwaltsgebühren in Höhe von   10000 Euro gegen die Garantie von einer Summe x, welche die Hälfte, der mir gesetzlich zustehenden Abfindung betrug.  Das ganze machte mich stutzig, ich suchte diesen Anwalt im Internet und fand seine Seite.

Der  Mobilfunker baute in dem Jahr gerade massiv Mitarbeiter ab.

Hier nun der Text der Beschreibung des netten, unaufdringlichen Anwalts, der sich so und ähnlich auf vielen Seiten im Internet finden lässt (in Auszügen):

„Restrukturierung,

 

Wir sind erfahrene arbeitsrechtliche Praktiker auf dem Tätigkeitsfeld der Restrukturierung von Unternehmen und unterstützen bundesweit mit einem „ganzheitlichen“ Ansatz zu Personalabbau gezwungene Arbeitgeber von der ersten Phase der internen „Abstimmung“ der „konzeptionellen“ und „strategischen“ Vorgehensweise bis hin zur „Beendigung“ der Arbeitsverhältnisse der betroffenen Mitarbeiter.

Eine Referenzliste über zahlreiche von uns in der jüngeren Vergangenheit  begleitete Abbaumaßnahmen wird auf Anforderung gerne übersandt.

Unser Konzept bietet bei „Vermeidung“ (besser wohl Umgehung) betriebsbedingter Kündigungen insbesondere folgende Vorteile:

-          Die zeitnahe Umsetzung der notwendigen „Maßnahmen“, d. h. im Bedarfsfall scheiden Mitarbeiter bereits 6-8 Wochen nach Aufnahme der Verhandlungen  mit dem Betriebspartner beim Arbeitgeber aus

-          Eine für den Arbeitgeber „kostenneutrale Steigerung der finanziellen Zuwendungen“ an die betroffenen Mitarbeiter

-          Den größtmöglichen Handlungsspielraum bei der Auswahl der freizusetzenden Mitarbeiter „jenseits“ vorgegebener Sozialauswahlkriterien

-          Weitere hohe Einsparpotentiale auf der „Arbeitgeberseite“

 

...Dies bedeutet, dass mehr als 90 von 100 Mitarbeitern mit den Rahmenbedingungen unseres Konzeptes einverstanden sind, weil sie die Vorteile gegenüber dem bloßen Erhalt einer Abfindung erkennen.

...Neben der speziellen Beratung bei Restrukturierungsmaßnahmen ist die Kanzlei bei sämtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Begründung von Arbeitsverhältnissen, den Rechten und Pflichten aus Arbeitsverhältnissen und deren Beendigung beratend und bei der Vertretung vor Arbeitsgerichten tätig. Spezifische kollektivrechtliche Fragestellungen, die sich aus der Zusammenarbeit von Arbeitgebern mit einem Betriebsrat oder einer Personalvertretung ergeben, werden dabei selbstverständlich berücksichtigt.“

Ende des Auszugs

 

Der Plan ist brutal und kostet am Ende manchem Mitarbeiter die Gesundheit, manchmal auch das Leben. Wir wollen nicht wissen, wie viele Mitarbeiter dem aufgebauten Druck am Ende völlig erliegen.

Nur weil sie auf ein angebliches Recht bestehen, welches am Ende von den Entscheidern nicht gemocht wird.

Ich wäre auch so gegangen, andere trieben mich zu Handlungen, welche heute vielleicht mein gesellschaftliches  Ende bedeuten. Ich stehe nun dazu, als ehemaliger DDR Bürger trage ich den Kopf bis zum Ende auf der Schulter und nicht wie so viele in diesem Land unter dem Arm.

Sprecht doch mal offen mit den Leuten, verarscht sie nicht nur.

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