Die Formen der Verachtung
Laut Definition im Duden kann das Wort Verachtung auch mit „ablehnen“,
„ignorieren“, „mutig sein“ (bei
Verachtung von Gefahren), „Nichtachtung“ und nochmals positiv „etwas ist
nicht zu verachten“ gleichgesetzt werden.
Es ist also Auslegungssache und kommt auf den Zusammenhang
an, wie sich die tatsächliche „Verachtung“ für Dinge oder Menschen, Pflanzen
oder Tiere und alles andere zu erkennen gibt.
In der heutigen Zeit und insbesondere in der Arbeitswelt,
drückt sich die Verachtung der Masse durch eine kleine Schicht, die
Führungsschicht, einmal in Zahlen aus. Dies nennt man dann wohl unangemessene
Bezahlung von hochwertiger Arbeitsleistung. Es gibt dafür die verschiedensten
Gründe. Zum einen sind die Entscheider nicht in der Lage die, für eine
angemessene Bezahlung notwendigen Preise im Markt zu etablieren, zum anderen
kennen sie diese Preise nicht und drittens sind sie zu bequem, sich um dieses
Thema zu kümmern. Im Gegenteil, die Entlohnung der Arbeitskräfte immer weiter
zu senken ist für viele das sichtbare und erreichbare Ziel, mit dem man
kurzfristig seine Gewinnlage deutlich verbessern kann. Es gibt also im Bereich der Entlohnung eine
tatsächliche, böswillige und eine dem Markt geschuldete, funktionale und
automatisierte Verachtung.
Eine weitaus schlimmere Form von Verachtung kann man heute
in den Führungsetagen antreffen. Es sind die ausgesprochenen Worte, die marktunabhängigen
Kommunikationsformen, welche der Masse jeglichen Geist und Intellekt absprechen, welche den Untergebenen und
Angestellten die Verantwortung für jegliches Scheitern aufbürden und den
betroffenen ihre menschliche Identität nehmen, sie zu einer Sache verkommen
lassen, zu einem Ding in der Masse, austauschbar, unwichtig und unter dem
Strich, nur eine Nummer. Daran fügt sich dann auch das Verhalten von Männern, gegenüber
den in Abhängigkeit geratenen Frauen an.
Welche Chance des Widerspruchs haben Frauen mit geringen Löhnen oder der Angst
des Arbeitsplatzverlustes und ohne tatsächliche, betriebliche Schutzmaßnahmen,
wie sollen sie sich gegen Übergriffe wehren?
In einem kirchlichen Betrieb, den ich für einige Monate
besuchen durfte, bezeichnete der Chef alle Mitarbeiter entweder als Idioten
oder geistig Minderbemittelte. Dasselbe galt natürlich auch für alle Kunden des
Betriebes. Er verlor in der Zeit sieben seiner Kunden und es waren nicht die
schlechtesten. Das Prinzip von, der Chef denkt, der Stellvertreter lenkt und
alle anderen machen mal, ging nicht wirklich auf. Trotz einer großen Zahl von Mitarbeitern gab
es keinen Betriebsrat, dieser scheiterte am Desinteresse aller beteiligten.
Aber wie Sinnvoll sind Betriebsräte in der heutigen Zeit,
wem stehen sie nahe, wessen Interessen vertreten sie eigentlich, wen schützen
sie heute noch?
Ist es nicht auch eine Form der Verachtung, wenn einem
Mitarbeiter eines großen Konzerns die Wunschliste des Chefs in die Hand
gedrückt wird, mit den unzweifelhaften Worten verbunden, dies sind die
Wunschkandidaten für die Betriebsratswahl!
Was können die Mitarbeiter von einem, auf diese Art
gewählten Betriebsrat erwarten, wem steht der Betriebsrat näher, welche Macht
hat er dann noch und welche Veranlassung, sich für Mitarbeiter einzusetzen? Die
Mitglieder werden zu Schuldnern, sie schulden aber nur einem Dank, dem Chef!
Und dies wird sich auch in ihrer Arbeit niederschlagen, wenn man dann überhaupt
noch von Arbeit sprechen kann. Ab nicken, wie im Sozialismus, Hörigkeit
gegenüber der Chefetage bis in den Untergang. Ignorieren der tatsächlichen
Probleme, Einschläfern des ernsten Hinterfragens und die Ablehnung von, dem
Chef unliebsamen Personen und Gruppen sind die Folge. Sie übernehmen die
Ansichten der Chefetage und werden zum Handlanger derer, die tatsächlich die Geschicke
des Unternehmens leiten.
Das es auch noch Fälle gibt, die eine andere, positive
Darstellung erlauben, ist wünschenswert und sicher auch Teil der Realität. Die
Abhängigkeit der Masse, vom Wohlwollen
einzelner Personen und Personengruppen, der Druck der finanziellen Zwänge und
die Entwicklung des Machtgefüges, hinzu immer weniger Entscheidern und das
Verlangen vieler Menschen aus der Masse, nach Sicherheit und Anerkennung,
gegeben durch die Führungsschicht, bringen auf lange Sicht die
Schutzmechanismen zum Erliegen.
Es ist immer die Summe des erlebten, die einen Menschen zu
gewissen Einsichten und Meinungen
bringen. Niemand muss diese Meinungen teilen.
Alles kann, nichts muss geschehen. Aber alles hängt
irgendwie zusammen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen