Die Freiheit der Märkte
Jedem steht es frei, Geld, Energie und seine Persönlichkeit
in Projekte jeglicher Art zu stecken und zu versuchen, seinen Einsatz in Erfolg
umzumünzen. Dies ist die einzige Freiheit der Märkte. Der Erfolg bemisst sich
an der finanziellen Überlebensfähigkeit eines solchen Projektes, also an den
Erträgen.
Es gibt die verschiedensten Märkte, den Arbeitsmarkt, den
Rohstoffmarkt, den Weltmarkt im weitesten Sinne und unzählige weitere. Allen ist
eines gemeinsam, sie sind unfrei.
All diese Märkte sind abhängig von Angebot und Nachfrage.
Sie sind abhängig von der Menge des zirkulierenden Geldes im
gesamtgesellschaftlichen Kontext und alle diese Märkte hängen mal mehr und mal
weniger auch voneinander ab. Misserfolge bestimmter Industriezweige auf dem
Binnen- oder Weltmarkt führen zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen und Steigerung
der Sozialausgaben bei gleichzeitigem Verlust von Marktteilnehmern der
Konsumindustrie aber auch wichtiger Kernindustrien. Die Erweiterung des
Arbeitskräfteangebotes im Rahmen der Globalisierung und die Globalisierung des
Lohngefüges an sich, führen zur Kaufkraftminderung innerhalb von
Binnenwirtschaften. Dasselbe gilt für den Anstieg der Rohstoffpreise, welcher
sich dann auf fast alle Märkte negativ auswirkt.
Märkte entstehen nicht von selbst, sie werden gebildet,
durch Menschen mit gleichen wirtschaftlichen Interessen. Diese Personen
arbeiten mal miteinander und mal gegeneinander, je nach Zielsetzung. Sie
arbeiten für sich, für andere Personen oder Institutionen und Staaten. Das
gegeneinander überwiegt, denn trotz der Globalisierung trägt jeder der
Teilnehmer doch die Verantwortung für seine Herde im Herzen. Dies gilt
natürlich auch für den Einzelhändler und jeden noch so unbedeutenden
Marktteilnehmer, in welchen Bereichen auch immer.
Der Markt ist Kampfzone, die Gegner sind alle Konkurrenten
und alle bekannten Einflussfaktoren, welche ein gutes BWL-VWL- Lehrbuch zu
bieten hat. Verraten diese Lehrbücher alles über das tatsächliche Geschehen am
Markt? Berücksichtigen sie den Einflussfaktor Mensch und die verschiedensten
Formen seiner zielgerichteten Kommunikation in ausreichender Weise? Geben sie
Anlass dazu, über geplante Entscheidungen hinaus zu denken? Ja, alles lässt
sich berechnen, nur der Mensch nicht.
Würde nun alles Lehrbuchgetreu vonstattengehen, wäre die
Welt ja in Ordnung. Es gebe keine Pleiten, jede Unternehmung ein Erfolg.
Märkte gleichen den Ozeanen, Ebbe und Flut bestimmen in
diesen die Abläufe. Mal zieht sich das Wasser zurück und mit ihm die
Meeresbewohner, mal überschwemmt es das Land und erobert neue Lebensräume für
seine Bewohner. Steht der Wind günstig, weht also stark und von See her, kann
sich das Wasser stärker ausbreiten, als bei der letzten Flut. Aber egal woher
der Wind auch weht, das Bild, welches die Landschaft während der Gezeiten
bildet wird niemals dasselbe sein. Die Ebbe reißt Sand und Gestein mit sich und
zieht Furchen in den Boden, die Flut führt dem Strand neue Sedimente zu. Wie an
vielen Küsten zu beobachten, ist der Abrieb der Küsten jedoch größer, als die
Neubildung von begehbarem Küstengrund. Die vielen Querströmungen in den
gewaltigen Massen der Ozeane verschlingen die dagegen lächerlich klein und
leicht wirkenden Strandabtragungen. Deshalb werden Strände in vielen Fällen
geschützt und vom Menschen künstlich geformt. Die Abgetragenen Strände lagern
sich irgendwo am Meeresboden ab, wo sie sicherlich auch einen Nutzen haben, für
die Natur, nicht unbedingt für den Menschen. Er muss Fahrrinnen ausbaggern,
Strände künstlich auffüllen oder zieht sich einfach zurück. Am Ende siegt die
Natur, früher oder später, aufgrund ihrer Masse und der Sinnhaftigkeit sowie
nicht nachlassenden Regelmäßigkeit der natürlichen Vorgänge.
Konjunkturschwankungen stellen Ebbe und Flut der Märkte dar.
Der Unterschied zu den Ozeanen besteht in der Unnatürlichkeit des ganzen
Systems. Der Mensch beobachtet und berechnet die Abläufe an den Märkten und
hält alles in Grafiken fest, welche die Zukunft spiegeln sollen mit Zahlen der
Vergangenheit. Er ist zufrieden, dass sich alles wiederholt und er sein Tun und
seine Unterlassung, an diesen wiederkehrenden Abläufen ausrichten kann. Den
Gesetzen der Märkte, die er aufgrund seiner Beobachtungen zu erkennen glaubt,
verleiht er einen natürlichen immer wiederkehrenden Charakter. So wie man es
sich vorstellt, so geschieht es am Ende auch, denn alle arbeiten mit denselben
Vorstellungen darauf hin.
Verwaiste Industriegebiete, leerstehende Geschäftsräume und
die tiefen Falten in den Gesichtern der Menschen sind die Folgen der Ebbe an
den Märkten. Die Flut lässt neue Geschäftsfelder entstehen und spült neue Ideen
in die Märkte. Wie bei den Ozeanen, die beständig an den Stränden knabbern und
sie abtragen, so knabbert die Flut der Märkte an den Grundlagen der
Gesellschaft. Die Macht der Märkte, ihre durch Menschen geführte Ausrichtung an
der Produktivität und Gewinnmaximierung, lässt den Lebensraum für viele
Marktteilnehmer schwinden. Steuert man
die Märkte, wie in der Planwirtschaft geschehen, ohne tatsächliche Maßnahmen
zur Weiterentwicklung zu unternehmen, führt es zum Zusammenbruch. Überlässt man
die Märkte sich selbst, ist auch deren Entwicklung absehbar, negativ.
Bei allen Herausforderungen, denen sich der Mensch stellt,
so auch die Entwicklung von Märkten, spielen nicht nur fassbare Dinge eine
Rolle. Sie bilden zu Beginn die Grundlage. Doch dann kommen die menschlichen
Gefühle und Gelüste ins Spiel. Die Begabung, Dingen einen Wert beizumessen, sie
in der Fantasie und später durch Bearbeitung zu formen und sie sich zu
wünschen.
Das „haben wollen“ spielt in den Märkten eine genauso große
Rolle, wie das „es sich leisten können“. Knappheit weckt Begierde, Schönheit
zieht an, Vielseitigkeit macht interessant, Überfluss erdrückt.
Das Ziel ist es also, einen ausgeglichenen Markt zu
schaffen, bei dem Angebot und Nachfrage im steten Gleichgewicht sind, alles
sich im Fluss befindet und alle Marktteilnehmer über ausreichende finanzielle
Mittel verfügen, um diesen Kreislauf am Leben zu erhalten. Da dies mit einem
riesigen Aufwand an Informationsaufnahme- Auswertung und Bewertung verbunden
ist, es einer fast hellseherischen Fähigkeit bedarf, zukünftige Entwicklungen
der Märkte zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten und man sich
gleichzeitig die Vorkommnisse in der realen Wirtschaftswelt ansieht, kann man
zu der Erkenntnis gelangen, die Welt ist weit entfernt, von optimalen Märkten
und entfernt sich immer mehr von diesen.
Märkte funktionieren nur durch und mit den Menschen.
Getrieben durch positive oder negative Kommunikation bewegen sie sich in die
eine oder andere Richtung. Wo der Mensch beteiligt ist entscheidet nicht der
Zufall über die Entwicklung, sondern nur die Marktteilnehmer mit ihrem Willen,
ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und den, durch sie getroffenen
Entscheidungen, seien sie nun richtig oder falsch.
Die Märkte verändern sich immer schneller, dies erfordert
von allen Teilnehmern ein Höchstmaß an Flexibilität. Einige setzen ihre
Unternehmung gern mit der „Titanic“ gleich. Das Unternehmen als großes Schiff
im Meer der Märkte, welches nur langsam auf Bewegungen des Steuerruders
reagiert. Die „Titanic“ fuhr bei Nacht mit eingeschränkter Sicht und mit hoher
Geschwindigkeit über den Ozean, zu einer Jahreszeit, in der mit Eisbewegungen
zu rechnen war. Der Eisberg wurde zu spät erkannt, Radar gab es zu dieser Zeit
nicht. Es waren Menschen, deren Wille und deren Kommunikation in Anbetracht der
vorgegebenen Ziele (schnellste Atlantiküberquerung), die zu diesem Unglück
wesentlich beitrugen. Gehen heute Unternehmen und Branchen unter, liegt es wie
damals an den beteiligten Personen selbst, eingeschränkte Sicht und falsche
Kommunikation über alle Bereiche gegen den Markt führen ins Aus.
Märkte entstehen, Märkte vergehen, Märkte verändern sich,
genau wie Interessen kommen, gehen und sich verändern. Dies ist kein besonders
weiser Satz. Er stellt vielmehr und ausschließlich die Realität des, durch den
Menschen beeinflussbaren dar. Im Gegensatz dazu ändert sich der Mensch nur
wenig. Er entwickelt sich und verliert mit der Zeit seine Flexibilität. Deshalb gelingt es so vielen nicht,
Veränderungen der Märkte und deren Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen und sich
selbst sowie anderen, die richtigen Kommandos zur Kurskorrektur zu geben. Sich
dessen bewusst zu sein könnte helfen, in gewissen Abständen die Märkte und sich
selbst in diesen, mit anderen Augen, aus verschiedenen Perspektiven zu
betrachten und es könnte helfen, bessere als nur gute Entscheidungen zu
treffen.
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