Montag, 14. Januar 2013

Die Freiheit der Märkte


Die Freiheit der Märkte


 

Jedem steht es frei, Geld, Energie und seine Persönlichkeit in Projekte jeglicher Art zu stecken und zu versuchen, seinen Einsatz in Erfolg umzumünzen. Dies ist die einzige Freiheit der Märkte. Der Erfolg bemisst sich an der finanziellen Überlebensfähigkeit eines solchen Projektes, also an den Erträgen.

Es gibt die verschiedensten Märkte, den Arbeitsmarkt, den Rohstoffmarkt, den Weltmarkt im weitesten Sinne und unzählige weitere. Allen ist eines gemeinsam, sie sind unfrei.

All diese Märkte sind abhängig von Angebot und Nachfrage. Sie sind abhängig von der Menge des zirkulierenden Geldes im gesamtgesellschaftlichen Kontext und alle diese Märkte hängen mal mehr und mal weniger auch voneinander ab. Misserfolge bestimmter Industriezweige auf dem Binnen- oder Weltmarkt führen zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen und Steigerung der Sozialausgaben bei gleichzeitigem Verlust von Marktteilnehmern der Konsumindustrie aber auch wichtiger Kernindustrien. Die Erweiterung des Arbeitskräfteangebotes im Rahmen der Globalisierung und die Globalisierung des Lohngefüges an sich, führen zur Kaufkraftminderung innerhalb von Binnenwirtschaften. Dasselbe gilt für den Anstieg der Rohstoffpreise, welcher sich dann auf fast alle Märkte negativ auswirkt.

Märkte entstehen nicht von selbst, sie werden gebildet, durch Menschen mit gleichen wirtschaftlichen Interessen. Diese Personen arbeiten mal miteinander und mal gegeneinander, je nach Zielsetzung. Sie arbeiten für sich, für andere Personen oder Institutionen und Staaten. Das gegeneinander überwiegt, denn trotz der Globalisierung trägt jeder der Teilnehmer doch die Verantwortung für seine Herde im Herzen. Dies gilt natürlich auch für den Einzelhändler und jeden noch so unbedeutenden Marktteilnehmer, in welchen Bereichen auch immer.

Der Markt ist Kampfzone, die Gegner sind alle Konkurrenten und alle bekannten Einflussfaktoren, welche ein gutes BWL-VWL- Lehrbuch zu bieten hat. Verraten diese Lehrbücher alles über das tatsächliche Geschehen am Markt? Berücksichtigen sie den Einflussfaktor Mensch und die verschiedensten Formen seiner zielgerichteten Kommunikation in ausreichender Weise? Geben sie Anlass dazu, über geplante Entscheidungen hinaus zu denken? Ja, alles lässt sich berechnen, nur der Mensch nicht.

Würde nun alles Lehrbuchgetreu vonstattengehen, wäre die Welt ja in Ordnung. Es gebe keine Pleiten, jede Unternehmung ein Erfolg.

Märkte gleichen den Ozeanen, Ebbe und Flut bestimmen in diesen die Abläufe. Mal zieht sich das Wasser zurück und mit ihm die Meeresbewohner, mal überschwemmt es das Land und erobert neue Lebensräume für seine Bewohner. Steht der Wind günstig, weht also stark und von See her, kann sich das Wasser stärker ausbreiten, als bei der letzten Flut. Aber egal woher der Wind auch weht, das Bild, welches die Landschaft während der Gezeiten bildet wird niemals dasselbe sein. Die Ebbe reißt Sand und Gestein mit sich und zieht Furchen in den Boden, die Flut führt dem Strand neue Sedimente zu. Wie an vielen Küsten zu beobachten, ist der Abrieb der Küsten jedoch größer, als die Neubildung von begehbarem Küstengrund. Die vielen Querströmungen in den gewaltigen Massen der Ozeane verschlingen die dagegen lächerlich klein und leicht wirkenden Strandabtragungen. Deshalb werden Strände in vielen Fällen geschützt und vom Menschen künstlich geformt. Die Abgetragenen Strände lagern sich irgendwo am Meeresboden ab, wo sie sicherlich auch einen Nutzen haben, für die Natur, nicht unbedingt für den Menschen. Er muss Fahrrinnen ausbaggern, Strände künstlich auffüllen oder zieht sich einfach zurück. Am Ende siegt die Natur, früher oder später, aufgrund ihrer Masse und der Sinnhaftigkeit sowie nicht nachlassenden Regelmäßigkeit der natürlichen Vorgänge.

Konjunkturschwankungen stellen Ebbe und Flut der Märkte dar. Der Unterschied zu den Ozeanen besteht in der Unnatürlichkeit des ganzen Systems. Der Mensch beobachtet und berechnet die Abläufe an den Märkten und hält alles in Grafiken fest, welche die Zukunft spiegeln sollen mit Zahlen der Vergangenheit. Er ist zufrieden, dass sich alles wiederholt und er sein Tun und seine Unterlassung, an diesen wiederkehrenden Abläufen ausrichten kann. Den Gesetzen der Märkte, die er aufgrund seiner Beobachtungen zu erkennen glaubt, verleiht er einen natürlichen immer wiederkehrenden Charakter. So wie man es sich vorstellt, so geschieht es am Ende auch, denn alle arbeiten mit denselben Vorstellungen darauf hin.

Verwaiste Industriegebiete, leerstehende Geschäftsräume und die tiefen Falten in den Gesichtern der Menschen sind die Folgen der Ebbe an den Märkten. Die Flut lässt neue Geschäftsfelder entstehen und spült neue Ideen in die Märkte. Wie bei den Ozeanen, die beständig an den Stränden knabbern und sie abtragen, so knabbert die Flut der Märkte an den Grundlagen der Gesellschaft. Die Macht der Märkte, ihre durch Menschen geführte Ausrichtung an der Produktivität und Gewinnmaximierung, lässt den Lebensraum für viele Marktteilnehmer schwinden.  Steuert man die Märkte, wie in der Planwirtschaft geschehen, ohne tatsächliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung zu unternehmen, führt es zum Zusammenbruch. Überlässt man die Märkte sich selbst, ist auch deren Entwicklung absehbar, negativ.

Bei allen Herausforderungen, denen sich der Mensch stellt, so auch die Entwicklung von Märkten, spielen nicht nur fassbare Dinge eine Rolle. Sie bilden zu Beginn die Grundlage. Doch dann kommen die menschlichen Gefühle und Gelüste ins Spiel. Die Begabung, Dingen einen Wert beizumessen, sie in der Fantasie und später durch Bearbeitung zu formen und sie sich zu wünschen.

Das „haben wollen“ spielt in den Märkten eine genauso große Rolle, wie das „es sich leisten können“. Knappheit weckt Begierde, Schönheit zieht an, Vielseitigkeit macht interessant, Überfluss erdrückt.

Das Ziel ist es also, einen ausgeglichenen Markt zu schaffen, bei dem Angebot und Nachfrage im steten Gleichgewicht sind, alles sich im Fluss befindet und alle Marktteilnehmer über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um diesen Kreislauf am Leben zu erhalten. Da dies mit einem riesigen Aufwand an Informationsaufnahme- Auswertung und Bewertung verbunden ist, es einer fast hellseherischen Fähigkeit bedarf, zukünftige Entwicklungen der Märkte zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten und man sich gleichzeitig die Vorkommnisse in der realen Wirtschaftswelt ansieht, kann man zu der Erkenntnis gelangen, die Welt ist weit entfernt, von optimalen Märkten und entfernt sich immer mehr von diesen.

Märkte funktionieren nur durch und mit den Menschen. Getrieben durch positive oder negative Kommunikation bewegen sie sich in die eine oder andere Richtung. Wo der Mensch beteiligt ist entscheidet nicht der Zufall über die Entwicklung, sondern nur die Marktteilnehmer mit ihrem Willen, ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und den, durch sie getroffenen Entscheidungen, seien sie nun richtig oder falsch.

Die Märkte verändern sich immer schneller, dies erfordert von allen Teilnehmern ein Höchstmaß an Flexibilität. Einige setzen ihre Unternehmung gern mit der „Titanic“ gleich. Das Unternehmen als großes Schiff im Meer der Märkte, welches nur langsam auf Bewegungen des Steuerruders reagiert. Die „Titanic“ fuhr bei Nacht mit eingeschränkter Sicht und mit hoher Geschwindigkeit über den Ozean, zu einer Jahreszeit, in der mit Eisbewegungen zu rechnen war. Der Eisberg wurde zu spät erkannt, Radar gab es zu dieser Zeit nicht. Es waren Menschen, deren Wille und deren Kommunikation in Anbetracht der vorgegebenen Ziele (schnellste Atlantiküberquerung), die zu diesem Unglück wesentlich beitrugen. Gehen heute Unternehmen und Branchen unter, liegt es wie damals an den beteiligten Personen selbst, eingeschränkte Sicht und falsche Kommunikation über alle Bereiche gegen den Markt führen ins Aus.

Märkte entstehen, Märkte vergehen, Märkte verändern sich, genau wie Interessen kommen, gehen und sich verändern. Dies ist kein besonders weiser Satz. Er stellt vielmehr und ausschließlich die Realität des, durch den Menschen beeinflussbaren dar. Im Gegensatz dazu ändert sich der Mensch nur wenig. Er entwickelt sich und verliert mit der Zeit seine Flexibilität.  Deshalb gelingt es so vielen nicht, Veränderungen der Märkte und deren Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen und sich selbst sowie anderen, die richtigen Kommandos zur Kurskorrektur zu geben. Sich dessen bewusst zu sein könnte helfen, in gewissen Abständen die Märkte und sich selbst in diesen, mit anderen Augen, aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und es könnte helfen, bessere als nur gute Entscheidungen zu treffen.

 

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