Montag, 21. Januar 2013

Wie Unternehmen Mitarbeiter zur Kündigung treiben


Wie Unternehmen Mitarbeiter zur Kündigung treiben


 

Im Gegensatz zu früher, als noch ein offenes Wort und der Handschlag zwischen zwei Personen gegeben, die Absprache besiegelte, man sich in die Augen schaute und sagte, „du, es geht nicht mehr mit uns“, werden heute hinterhältige Pläne erstellt, in enger Zusammenarbeit zwischen externen Beratungsfirmen und den Chefetagen.  

Kündigungsmanagement entwickelt sich in der heutigen Zeit zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dennoch läuft alles vielfach so holprig und ungeschickt ab, dass man wirklich nur am Intellekt der Beteiligten zweifeln kann. Es geht wie bei allen wirtschaftlichen Abläufen um die Gewinnmaximierung zugunsten des Unternehmens gegen die Beschäftigten, um die Umgehung gesetzlicher Rahmenbedingungen um die Zerstörung von Personen.

In meinem Fall wurde über einen langen Zeitraum das Gerücht unter den Mitarbeitern verbreitet, es gäbe einen Rechtsanwalt, der sich besonders für alle Mitarbeiter des betroffenen Mobilfunkkonzerns einsetzen würde. Immer  wieder sprachen Mitarbeiter  und auch Führungskräfte davon. Das nennt man dann wohl „ einen Anker setzen“. Dies bedeutet, in einem Mitarbeiter einen Gedanken verfestigen und diesen zu seinem Hauptgedanken machen. Die Erzählungen von erfolgreichen  Klagen bekannter Mitarbeiter und Führungskräfte sollten die Geschichte noch untermauern, es sollte den oder die Mitarbeiter in Sicherheit wiegen und ihm oder ihnen einen Ausweg zeigen.

Gleichzeitig läuft die Maschinerie des gezielten „Unterdrucksetzens“ an. Beschwerden aus dem Nichts heraus, Briefe ohne Unterschrift, Beschneidung der beruflichen Befugnisse, Negierung der Ergebnisse durch gezielte Torpedierung der Ergebnisse, Verunglimpfung gegenüber Kunden und Mitarbeitern und zwischendurch immer der Goldschimmer am Horizont, der Anwalt mit dem Goldkehlchen, mit der Erfolgsgarantie aufgrund angeblicher Antipathie gegenüber den, ach so schrecklichen Vorgesetzten. Und dann geht alles ganz schnell, ein Personalgespräch jagt das Nächste, eine Erniedrigung folgt der Anderen, die Zeit um Gedanken zu ordnen und Entscheidungen wohl überlegt  zu treffen wurde für mich immer geringer. Der Betriebsrat schwieg. Man wird als krank bezeichnet, als arrogant, als erfolgloses Stück etwas. Ich griff zum Telefon, ich rief den besagten Heilsbringer an. Der beschimpfte seinen angeblichen Erzfeind noch einmal intensiv und versprach mir, meinen Fall erfolgreich, wie alle anderen zu einem erfreulichen Ende zu bringen.

Er schickte mir seinen Vertrag zu, Anwaltsgebühren in Höhe von   10000 Euro gegen die Garantie von einer Summe x, welche die Hälfte, der mir gesetzlich zustehenden Abfindung betrug.  Das ganze machte mich stutzig, ich suchte diesen Anwalt im Internet und fand seine Seite.

Der  Mobilfunker baute in dem Jahr gerade massiv Mitarbeiter ab.

Hier nun der Text der Beschreibung des netten, unaufdringlichen Anwalts, der sich so und ähnlich auf vielen Seiten im Internet finden lässt (in Auszügen):

„Restrukturierung,

 

Wir sind erfahrene arbeitsrechtliche Praktiker auf dem Tätigkeitsfeld der Restrukturierung von Unternehmen und unterstützen bundesweit mit einem „ganzheitlichen“ Ansatz zu Personalabbau gezwungene Arbeitgeber von der ersten Phase der internen „Abstimmung“ der „konzeptionellen“ und „strategischen“ Vorgehensweise bis hin zur „Beendigung“ der Arbeitsverhältnisse der betroffenen Mitarbeiter.

Eine Referenzliste über zahlreiche von uns in der jüngeren Vergangenheit  begleitete Abbaumaßnahmen wird auf Anforderung gerne übersandt.

Unser Konzept bietet bei „Vermeidung“ (besser wohl Umgehung) betriebsbedingter Kündigungen insbesondere folgende Vorteile:

-          Die zeitnahe Umsetzung der notwendigen „Maßnahmen“, d. h. im Bedarfsfall scheiden Mitarbeiter bereits 6-8 Wochen nach Aufnahme der Verhandlungen  mit dem Betriebspartner beim Arbeitgeber aus

-          Eine für den Arbeitgeber „kostenneutrale Steigerung der finanziellen Zuwendungen“ an die betroffenen Mitarbeiter

-          Den größtmöglichen Handlungsspielraum bei der Auswahl der freizusetzenden Mitarbeiter „jenseits“ vorgegebener Sozialauswahlkriterien

-          Weitere hohe Einsparpotentiale auf der „Arbeitgeberseite“

 

...Dies bedeutet, dass mehr als 90 von 100 Mitarbeitern mit den Rahmenbedingungen unseres Konzeptes einverstanden sind, weil sie die Vorteile gegenüber dem bloßen Erhalt einer Abfindung erkennen.

...Neben der speziellen Beratung bei Restrukturierungsmaßnahmen ist die Kanzlei bei sämtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Begründung von Arbeitsverhältnissen, den Rechten und Pflichten aus Arbeitsverhältnissen und deren Beendigung beratend und bei der Vertretung vor Arbeitsgerichten tätig. Spezifische kollektivrechtliche Fragestellungen, die sich aus der Zusammenarbeit von Arbeitgebern mit einem Betriebsrat oder einer Personalvertretung ergeben, werden dabei selbstverständlich berücksichtigt.“

Ende des Auszugs

 

Der Plan ist brutal und kostet am Ende manchem Mitarbeiter die Gesundheit, manchmal auch das Leben. Wir wollen nicht wissen, wie viele Mitarbeiter dem aufgebauten Druck am Ende völlig erliegen.

Nur weil sie auf ein angebliches Recht bestehen, welches am Ende von den Entscheidern nicht gemocht wird.

Ich wäre auch so gegangen, andere trieben mich zu Handlungen, welche heute vielleicht mein gesellschaftliches  Ende bedeuten. Ich stehe nun dazu, als ehemaliger DDR Bürger trage ich den Kopf bis zum Ende auf der Schulter und nicht wie so viele in diesem Land unter dem Arm.

Sprecht doch mal offen mit den Leuten, verarscht sie nicht nur.

Die Formen der Verachtung


Die Formen der Verachtung


 

Laut Definition im Duden kann das Wort Verachtung auch mit „ablehnen“, „ignorieren“, „mutig sein“ (bei  Verachtung von Gefahren), „Nichtachtung“ und nochmals positiv „etwas ist nicht zu verachten“ gleichgesetzt werden.

Es ist also Auslegungssache und kommt auf den Zusammenhang an, wie sich die tatsächliche „Verachtung“ für Dinge oder Menschen, Pflanzen oder Tiere und alles andere zu erkennen gibt.

In der heutigen Zeit und insbesondere in der Arbeitswelt, drückt sich die Verachtung der Masse durch eine kleine Schicht, die Führungsschicht, einmal in Zahlen aus. Dies nennt man dann wohl unangemessene Bezahlung von hochwertiger Arbeitsleistung. Es gibt dafür die verschiedensten Gründe. Zum einen sind die Entscheider nicht in der Lage die, für eine angemessene Bezahlung notwendigen Preise im Markt zu etablieren, zum anderen kennen sie diese Preise nicht und drittens sind sie zu bequem, sich um dieses Thema zu kümmern. Im Gegenteil, die Entlohnung der Arbeitskräfte immer weiter zu senken ist für viele das sichtbare und erreichbare Ziel, mit dem man kurzfristig seine Gewinnlage deutlich verbessern kann.  Es gibt also im Bereich der Entlohnung eine tatsächliche, böswillige und eine dem Markt geschuldete, funktionale und automatisierte Verachtung.

Eine weitaus schlimmere Form von Verachtung kann man heute in den Führungsetagen antreffen. Es sind die ausgesprochenen Worte, die marktunabhängigen Kommunikationsformen, welche der Masse jeglichen Geist und Intellekt  absprechen, welche den Untergebenen und Angestellten die Verantwortung für jegliches Scheitern aufbürden und den betroffenen ihre menschliche Identität nehmen, sie zu einer Sache verkommen lassen, zu einem Ding in der Masse, austauschbar, unwichtig und unter dem Strich, nur eine Nummer. Daran fügt sich dann auch das Verhalten von Männern, gegenüber den  in Abhängigkeit geratenen Frauen an. Welche Chance des Widerspruchs haben Frauen mit geringen Löhnen oder der Angst des Arbeitsplatzverlustes und ohne tatsächliche, betriebliche Schutzmaßnahmen, wie sollen sie sich gegen Übergriffe wehren?

In einem kirchlichen Betrieb, den ich für einige Monate besuchen durfte, bezeichnete der Chef alle Mitarbeiter entweder als Idioten oder geistig Minderbemittelte. Dasselbe galt natürlich auch für alle Kunden des Betriebes. Er verlor in der Zeit sieben seiner Kunden und es waren nicht die schlechtesten. Das Prinzip von, der Chef denkt, der Stellvertreter lenkt und alle anderen machen mal, ging nicht wirklich auf.  Trotz einer großen Zahl von Mitarbeitern gab es keinen Betriebsrat, dieser scheiterte am Desinteresse aller beteiligten.

Aber wie Sinnvoll sind Betriebsräte in der heutigen Zeit, wem stehen sie nahe, wessen Interessen vertreten sie eigentlich, wen schützen sie heute noch?

Ist es nicht auch eine Form der Verachtung, wenn einem Mitarbeiter eines großen Konzerns die Wunschliste des Chefs in die Hand gedrückt wird, mit den unzweifelhaften Worten verbunden, dies sind die Wunschkandidaten für die Betriebsratswahl!

Was können die Mitarbeiter von einem, auf diese Art gewählten Betriebsrat erwarten, wem steht der Betriebsrat näher, welche Macht hat er dann noch und welche Veranlassung, sich für Mitarbeiter einzusetzen? Die Mitglieder werden zu Schuldnern, sie schulden aber nur einem Dank, dem Chef! Und dies wird sich auch in ihrer Arbeit niederschlagen, wenn man dann überhaupt noch von Arbeit sprechen kann. Ab nicken, wie im Sozialismus, Hörigkeit gegenüber der Chefetage bis in den Untergang. Ignorieren der tatsächlichen Probleme, Einschläfern des ernsten Hinterfragens und die Ablehnung von, dem Chef unliebsamen Personen und Gruppen sind die Folge. Sie übernehmen die Ansichten der Chefetage und werden zum Handlanger derer, die tatsächlich die Geschicke des Unternehmens leiten.

Das es auch noch Fälle gibt, die eine andere, positive Darstellung erlauben, ist wünschenswert und sicher auch Teil der Realität. Die Abhängigkeit der Masse,  vom Wohlwollen einzelner Personen und Personengruppen, der Druck der finanziellen Zwänge und die Entwicklung des Machtgefüges, hinzu immer weniger Entscheidern und das Verlangen vieler Menschen aus der Masse, nach Sicherheit und Anerkennung, gegeben durch die Führungsschicht, bringen auf lange Sicht die Schutzmechanismen zum Erliegen.

Es ist immer die Summe des erlebten, die einen Menschen zu gewissen  Einsichten und Meinungen bringen. Niemand muss diese Meinungen teilen.

Alles kann, nichts muss geschehen. Aber alles hängt irgendwie zusammen.

Montag, 14. Januar 2013

Die Freiheit der Märkte


Die Freiheit der Märkte


 

Jedem steht es frei, Geld, Energie und seine Persönlichkeit in Projekte jeglicher Art zu stecken und zu versuchen, seinen Einsatz in Erfolg umzumünzen. Dies ist die einzige Freiheit der Märkte. Der Erfolg bemisst sich an der finanziellen Überlebensfähigkeit eines solchen Projektes, also an den Erträgen.

Es gibt die verschiedensten Märkte, den Arbeitsmarkt, den Rohstoffmarkt, den Weltmarkt im weitesten Sinne und unzählige weitere. Allen ist eines gemeinsam, sie sind unfrei.

All diese Märkte sind abhängig von Angebot und Nachfrage. Sie sind abhängig von der Menge des zirkulierenden Geldes im gesamtgesellschaftlichen Kontext und alle diese Märkte hängen mal mehr und mal weniger auch voneinander ab. Misserfolge bestimmter Industriezweige auf dem Binnen- oder Weltmarkt führen zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen und Steigerung der Sozialausgaben bei gleichzeitigem Verlust von Marktteilnehmern der Konsumindustrie aber auch wichtiger Kernindustrien. Die Erweiterung des Arbeitskräfteangebotes im Rahmen der Globalisierung und die Globalisierung des Lohngefüges an sich, führen zur Kaufkraftminderung innerhalb von Binnenwirtschaften. Dasselbe gilt für den Anstieg der Rohstoffpreise, welcher sich dann auf fast alle Märkte negativ auswirkt.

Märkte entstehen nicht von selbst, sie werden gebildet, durch Menschen mit gleichen wirtschaftlichen Interessen. Diese Personen arbeiten mal miteinander und mal gegeneinander, je nach Zielsetzung. Sie arbeiten für sich, für andere Personen oder Institutionen und Staaten. Das gegeneinander überwiegt, denn trotz der Globalisierung trägt jeder der Teilnehmer doch die Verantwortung für seine Herde im Herzen. Dies gilt natürlich auch für den Einzelhändler und jeden noch so unbedeutenden Marktteilnehmer, in welchen Bereichen auch immer.

Der Markt ist Kampfzone, die Gegner sind alle Konkurrenten und alle bekannten Einflussfaktoren, welche ein gutes BWL-VWL- Lehrbuch zu bieten hat. Verraten diese Lehrbücher alles über das tatsächliche Geschehen am Markt? Berücksichtigen sie den Einflussfaktor Mensch und die verschiedensten Formen seiner zielgerichteten Kommunikation in ausreichender Weise? Geben sie Anlass dazu, über geplante Entscheidungen hinaus zu denken? Ja, alles lässt sich berechnen, nur der Mensch nicht.

Würde nun alles Lehrbuchgetreu vonstattengehen, wäre die Welt ja in Ordnung. Es gebe keine Pleiten, jede Unternehmung ein Erfolg.

Märkte gleichen den Ozeanen, Ebbe und Flut bestimmen in diesen die Abläufe. Mal zieht sich das Wasser zurück und mit ihm die Meeresbewohner, mal überschwemmt es das Land und erobert neue Lebensräume für seine Bewohner. Steht der Wind günstig, weht also stark und von See her, kann sich das Wasser stärker ausbreiten, als bei der letzten Flut. Aber egal woher der Wind auch weht, das Bild, welches die Landschaft während der Gezeiten bildet wird niemals dasselbe sein. Die Ebbe reißt Sand und Gestein mit sich und zieht Furchen in den Boden, die Flut führt dem Strand neue Sedimente zu. Wie an vielen Küsten zu beobachten, ist der Abrieb der Küsten jedoch größer, als die Neubildung von begehbarem Küstengrund. Die vielen Querströmungen in den gewaltigen Massen der Ozeane verschlingen die dagegen lächerlich klein und leicht wirkenden Strandabtragungen. Deshalb werden Strände in vielen Fällen geschützt und vom Menschen künstlich geformt. Die Abgetragenen Strände lagern sich irgendwo am Meeresboden ab, wo sie sicherlich auch einen Nutzen haben, für die Natur, nicht unbedingt für den Menschen. Er muss Fahrrinnen ausbaggern, Strände künstlich auffüllen oder zieht sich einfach zurück. Am Ende siegt die Natur, früher oder später, aufgrund ihrer Masse und der Sinnhaftigkeit sowie nicht nachlassenden Regelmäßigkeit der natürlichen Vorgänge.

Konjunkturschwankungen stellen Ebbe und Flut der Märkte dar. Der Unterschied zu den Ozeanen besteht in der Unnatürlichkeit des ganzen Systems. Der Mensch beobachtet und berechnet die Abläufe an den Märkten und hält alles in Grafiken fest, welche die Zukunft spiegeln sollen mit Zahlen der Vergangenheit. Er ist zufrieden, dass sich alles wiederholt und er sein Tun und seine Unterlassung, an diesen wiederkehrenden Abläufen ausrichten kann. Den Gesetzen der Märkte, die er aufgrund seiner Beobachtungen zu erkennen glaubt, verleiht er einen natürlichen immer wiederkehrenden Charakter. So wie man es sich vorstellt, so geschieht es am Ende auch, denn alle arbeiten mit denselben Vorstellungen darauf hin.

Verwaiste Industriegebiete, leerstehende Geschäftsräume und die tiefen Falten in den Gesichtern der Menschen sind die Folgen der Ebbe an den Märkten. Die Flut lässt neue Geschäftsfelder entstehen und spült neue Ideen in die Märkte. Wie bei den Ozeanen, die beständig an den Stränden knabbern und sie abtragen, so knabbert die Flut der Märkte an den Grundlagen der Gesellschaft. Die Macht der Märkte, ihre durch Menschen geführte Ausrichtung an der Produktivität und Gewinnmaximierung, lässt den Lebensraum für viele Marktteilnehmer schwinden.  Steuert man die Märkte, wie in der Planwirtschaft geschehen, ohne tatsächliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung zu unternehmen, führt es zum Zusammenbruch. Überlässt man die Märkte sich selbst, ist auch deren Entwicklung absehbar, negativ.

Bei allen Herausforderungen, denen sich der Mensch stellt, so auch die Entwicklung von Märkten, spielen nicht nur fassbare Dinge eine Rolle. Sie bilden zu Beginn die Grundlage. Doch dann kommen die menschlichen Gefühle und Gelüste ins Spiel. Die Begabung, Dingen einen Wert beizumessen, sie in der Fantasie und später durch Bearbeitung zu formen und sie sich zu wünschen.

Das „haben wollen“ spielt in den Märkten eine genauso große Rolle, wie das „es sich leisten können“. Knappheit weckt Begierde, Schönheit zieht an, Vielseitigkeit macht interessant, Überfluss erdrückt.

Das Ziel ist es also, einen ausgeglichenen Markt zu schaffen, bei dem Angebot und Nachfrage im steten Gleichgewicht sind, alles sich im Fluss befindet und alle Marktteilnehmer über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um diesen Kreislauf am Leben zu erhalten. Da dies mit einem riesigen Aufwand an Informationsaufnahme- Auswertung und Bewertung verbunden ist, es einer fast hellseherischen Fähigkeit bedarf, zukünftige Entwicklungen der Märkte zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten und man sich gleichzeitig die Vorkommnisse in der realen Wirtschaftswelt ansieht, kann man zu der Erkenntnis gelangen, die Welt ist weit entfernt, von optimalen Märkten und entfernt sich immer mehr von diesen.

Märkte funktionieren nur durch und mit den Menschen. Getrieben durch positive oder negative Kommunikation bewegen sie sich in die eine oder andere Richtung. Wo der Mensch beteiligt ist entscheidet nicht der Zufall über die Entwicklung, sondern nur die Marktteilnehmer mit ihrem Willen, ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und den, durch sie getroffenen Entscheidungen, seien sie nun richtig oder falsch.

Die Märkte verändern sich immer schneller, dies erfordert von allen Teilnehmern ein Höchstmaß an Flexibilität. Einige setzen ihre Unternehmung gern mit der „Titanic“ gleich. Das Unternehmen als großes Schiff im Meer der Märkte, welches nur langsam auf Bewegungen des Steuerruders reagiert. Die „Titanic“ fuhr bei Nacht mit eingeschränkter Sicht und mit hoher Geschwindigkeit über den Ozean, zu einer Jahreszeit, in der mit Eisbewegungen zu rechnen war. Der Eisberg wurde zu spät erkannt, Radar gab es zu dieser Zeit nicht. Es waren Menschen, deren Wille und deren Kommunikation in Anbetracht der vorgegebenen Ziele (schnellste Atlantiküberquerung), die zu diesem Unglück wesentlich beitrugen. Gehen heute Unternehmen und Branchen unter, liegt es wie damals an den beteiligten Personen selbst, eingeschränkte Sicht und falsche Kommunikation über alle Bereiche gegen den Markt führen ins Aus.

Märkte entstehen, Märkte vergehen, Märkte verändern sich, genau wie Interessen kommen, gehen und sich verändern. Dies ist kein besonders weiser Satz. Er stellt vielmehr und ausschließlich die Realität des, durch den Menschen beeinflussbaren dar. Im Gegensatz dazu ändert sich der Mensch nur wenig. Er entwickelt sich und verliert mit der Zeit seine Flexibilität.  Deshalb gelingt es so vielen nicht, Veränderungen der Märkte und deren Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen und sich selbst sowie anderen, die richtigen Kommandos zur Kurskorrektur zu geben. Sich dessen bewusst zu sein könnte helfen, in gewissen Abständen die Märkte und sich selbst in diesen, mit anderen Augen, aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und es könnte helfen, bessere als nur gute Entscheidungen zu treffen.

 

Sonntag, 13. Januar 2013

Wirtschaft


Die Wirtschaft


 

Die Wirtschaft des 21.Jahrhunderts ist geprägt von Reglementierungen. Viel hat sich in den letzten hundert Jahren getan. Qualitätsstandards, Produktionsstandards und die Absatzmöglichkeiten haben sich verändert und erweiterten sich. Vieles wurde modernisiert und an die globalen Verhältnisse angepasst. Für den durchschnittlichen Menschen wurde alles aber auch komplizierter und weniger überschaubar. Alle Standards nützen nichts, wenn der Mensch nicht in der Lage oder willens ist, sie umzusetzen. Wie viele Informationen kann eine Person aufnehmen und wie reagiert sie auf ein zu viel an Informationen? Wie viele Themen und Aufgaben kann ein Mensch gleichzeitig aufnehmen und bearbeiten? Warum funktionieren so viele Dinge nicht oder nur eine begrenzte Zeit lang, obwohl alles Lehrbuchgetreu durchgeführt wird? Hat sich der Mensch an sich weiterentwickelt? Was blockiert eine gesunde Entwicklung, wenn man sich für ein, wie auch immer geartetes Wirtschaftssystem entschieden hat? Was bedeutet eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung?

Mensch oder Maschine, für eines dieser Worte entscheidet man sich bei der Wahl seines Wirtschaftssystems. Im jetzigen System geht die Tendenz eindeutig hin zum Begriff Maschine. Karl M. hat die Funktionsweise, die Ziele und Erfordernisse erfolgreicher Produktion ausreichend beschrieben. Zu seiner Zeit. Die Unterordnung des Menschen und die Allmacht der Produktionskennzahlen sind bekannt. Seine und die Ausarbeitungen anderer Forscher gaben Anlass zur Bildung eines Wirtschaftssystems, welches auf der Planwirtschaft beruhte, den Sozialismus.   

Für das scheitern kann nicht das System verantwortlich gemacht werden, sondern immer nur alle beteiligten Teilchen der Gemeinschaft. Unterbrochener Kommunikationsfluss und die damit verbundene Fehleinschätzung von Entwicklungen führten zu dessen Ende.  Genauso finden diese Zusammenbrüche auch heute wieder statt. Auf der ganzen Welt und zu jeder Zeit, in jedem System. Erst stirbt die Wirtschaft, dann das umgebene System Staat.

Der Mensch hat sich nicht wirklich weiter Entwickelt. Für eine Menge an neuen Informationen rücken andere in seinem Bewusstsein in den Hintergrund. Konzentriert er sich auf Aufgaben mit vollem Interesse lässt er andere außer Acht. Er setzt Prioritäten, oft unter permanenten Zeit- und Erfolgsdruck.  Oft stehen ihm nur begrenzte Informationen zur Verfügung, um bestimmten Aufgaben überhaupt eine Priorität zuzuordnen. Erfolg misst sich im Großen und Ganzen an der Quantität. Alles muss produktiv sein und sich rechnen. Dies verstehen alle. Dass die in vielen Vorschriften beschriebene Qualität dabei vernachlässigt wird, muss von allen in Kauf genommen werden. Nicht einmal bewusst, sondern rein menschlich wird dieses Thema ausgeblendet, bis man von außen darauf hingewiesen wird. Oft ist es dann zu spät!

Die Wirtschaftslenker haben einen Auftrag, das angelegte Geld mehren. Der Staat hat die Aufgabe, alles Erdenkliche zu tun, um eine unbeschränkte Entfaltung der Wirtschaft zu ermöglichen bei gleichzeitigem Schutz der Beschäftigten vor der totalen Ausbeutung. Ist das eine Kommunistische Ansicht? Nein. Es macht vielmehr den Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus aus. Der Schutz des Menschen und die Unterdrückung des Marktes, also die Wirtschaftsform im Sozialismus, führten zur Verarmung des gesamten Systems bis hin zu dessen Ende. Trotzdem sollte dem Schutz des Menschen eine Bedeutung zugestanden werden.

Die Zügellosigkeit des Kapitalismus, seine menschenverachtende Ausprägung führte immer zu Kriegen. Es war schon immer einfacher zehntausende Menschen zu entlassen, als fünftausend neue Stellen zu schaffen. Diese Einstellung ist heute verbreiteter denn je. Genauso ist es einfacher das Lohnniveau durch Auslagerungen und Neueinstellungen zu senken, als es im gesamtwirtschaftlichen Kontext anzuheben. Der einzelne Unternehmer kann die Auswirkungen seines Verhaltens und seiner Entscheidungen nur in Bezug auf die ihm zur Verfügung stehenden, betriebsinternen Daten abschätzen. Der gesamtgesellschaftliche Prozess läuft für ihn unsichtbar ab und wird erst für alle zu besonderen Anlässen sichtbar. Der massive Rückgang der Binnenwirtschaft und die Verschlechterung der Lage besonderer Kernindustrien sind solche Anlässe. Ist es soweit, ist es aber meist zu spät. Der Aufwand, der betrieben werden muss, um aus einem Tal die Bergspitze zu erklimmen ist um vieles höher, als der Marsch über den Bergkamm mit Sicherungsseilen, die einen Absturz verhindern.  Die Verantwortung tragen in jedem Fall Menschen des vorhandenen Systems. All ihre Handlungen, beruhend auf ihrer durch Informationsaufnahme gefestigten Einstellungen führen zu dem einen oder anderen Ergebnis. Wie der Staat wird auch die Wirtschaft von Kommunikation getrieben. Falsche Kommunikation, Fehlinterpretation von Informationen und die daraus folgende Ausführung unnützer Aktionen führen ins Aus. Kommunikationstrainer beschrieben das mit den schlechten Nachrichten so:“ Eine schlechte Nachricht verbreitet sich dreißig Mal schneller als eine gute Nachricht“. Dies trifft wohl von oben nach unten zu. Doch wie schwer hat es eine schlechte Nachricht, die über das Wohl und Wehe vieler Menschen entscheidet, seinen Weg nach oben zu finden, zu den Entscheidern? Wie schwer fallen Entscheidungen mit dem Wissen, nicht alle Informationen zu besitzen? Wie viele Entscheider werden aus eigenem Willen oder dem ihrer Untergebenen von wichtigen Informationskreisläufen ausgeschlossen? Wie viele Wirtschaftslenker geben sich mit diesem Zustand zufrieden, geschweige, dass sie es überhaupt bemerken?

Es nutzt nichts, die Nummer 1 zu sein, wenn sich keiner mehr dafür interessiert. Daraus folgt dann auch der Verlust des ersten Ranges. Bewunderung wandelt sich in Gleichgültigkeit und Desinteresse. Man wendet sich ab und hält Ausschau nach neuen, interessanteren und wirtschaftlich erfolgversprechenden Aktivitäten. Der Mensch ist grundsätzlich neugierig, solange er auf der Suche ist und steht unter dieser Bedingung neuem extrem offen gegenüber. Ist er relativ Sorgenfrei, kann er dieser Neugierde freien Lauf lassen. Dies gilt für Unternehmen gleichermaßen wie für Privatpersonen.

Eine gewisse Sorgenfreiheit (gegeben bei: anständiger Entlohnung der Arbeitskraft und Achtung der Persönlichkeit) trägt durch die Summe der Privatkonsumenten zur Steigerung der Binnenwirtschaft in allen Ländern bei. Unternehmen (bei guter Gewinnlage) können in neue Technik, Forschung und Personal investieren und sich allgemein, auf die Ausrichtung innerhalb der regionalen, nationalen und globalisierten Märkte konzentrieren. Tun sie das nicht, sondern ziehen die geldlichen Mittel für artfremde Zwecke ab, kann das früher oder später zur wirtschaftlichen Schieflage führen. Was beim Thema Globalisierung zu beachten ist wurde in einem anderen Abschnitt beschrieben.

Wo steht die Wirtschaft heute? Welche Neuerungen stehen an und was kann in der Zukunft noch wirkliche Bewegung in die Märkte bringen? Wie hält man die Geld und Warenströme in Bewegung?

Maschinen sind so gut, wie die Menschen die sie entwickeln. Sie haben das Aussehen und die Kapazitätsgrenzen, welche die Entwickler ihnen mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen geben können. Sie bestehen manchmal aus tausenden Einzelteilen, produziert von den verschiedensten Firmen und den dort Beschäftigten. Menschen bedienen diese Maschinen und bestimmen in der Folge auch ihren Nutzen, durch Handhabung und Pflege derselben. Die beste Maschine nutzt nichts, wenn die durch sie geleistete Arbeit keine Abnehmer mehr findet. Die Maschine wird stillgelegt, die Arbeiter bleiben zu Hause, das Unternehmen stirbt.

Teilweise bestimmt heute schon die Technik das Aussehen von Wirtschaftsgütern. Im Automobilbau bestimmt zum großen Teil der Windkanal die zukünftige Form von Karosserien der verschiedensten Hersteller. Und weil es sich so gut macht und ja auch mehr als logisch ist, ähneln sich die Autos der verschiedenen Marken heute mehr denn je. Dadurch ist es sogar möglich, verschiedene Automarken auf ein und denselben Karosserieplattformen und mit völlig identischen sonstigen Ausrüstungsgegenständen zu bauen.  Dieser Logik folgend dürfte es eigentlich nur ein Auto auf der Welt geben, nämlich das Optimale. Soweit ist es aber noch nicht. Und der Mensch ist wohl auch noch nicht bereit, ein solches Auto zu akzeptieren. Dies alles könnte aber eine Erklärung für den Rückgang des Markenbewusstseins in der Autobranche und den Erfolg von Newcomern sein. Preise spielen eine weitere wichtige Rolle und bestimmen mehr als alles andere die Entwicklung von Verkaufszahlen. Wer wenig hat, braucht nicht zu überlegen, sondern er handelt nach den Erfordernissen und seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Es sind nicht die Einzelerfolge eines Autohauses sondern das Gesamtergebnis eines Unternehmens was zählt. Wer Europa als Handelsplatz schon abgeschrieben hat, ist sich wohl der tatsächlichen Situation durchaus bewusst. Das Problem besteht nun sichtbar im Zusammenwirken aller Wirtschaftsunternehmen, national und global. Wie viel Kaufkraft oder besser Geld  bleibt bei der Masse von Endkonsumenten, für die Anschaffung all der schönen, produzierten und angepriesenen Dinge dieser Welt?

Die bekanntesten Worte in allen Bereichen der Wirtschaft lauten:

„Einsparung“, „Gewinnmaximierung“, „Qualitätssicherung“

Alle handeln nach den gleichen Prinzipien, welche die moderne Wirtschaftslehre als Standard festschreibt. Vom Konzernlenker bis zum Pförtner eines jeden Unternehmens, sind diese Wörter schon mehr als ein Bekenntnis, sie begründen die Daseinsberechtigung eines jeden Mitarbeiters.

Jeder Anruf eines Einkäufers bei einem potentiellen Lieferanten dient oft auch gleichzeitig als Preisdrückergespräch im Sinne der „Gewinnmaximierung“. Dass sich diese Gesprächsführung auch bei den Lieferanten und deren Lieferanten fortsetzt,  daran denkt ein Einkäufer garantiert nicht. Seine Vorgesetzten noch weniger. Stellt man sich jetzt die Frage, wo und wie die „Einsparungen“ des Einkäufers letztendlich zustande kommen, erhält man genau zwei Antworten:

„Die Wirtschaftskette bis zum Produzenten senkt ihre Gewinne, Erträge bei gleichbleibender Qualität“

Dies bedeutet ein ständiges Absenken der Kaufkraft für mehr oder weniger Marktteilnehmer. Dies ist in Deutschland ausgezeichnet nachzuvollziehen.

„Die Wirtschaftskette bis zum Produzenten senkt ihre Gewinne, Erträge nicht, zu Lasten der Qualität“

Dies bedeutet teilweise einen finanziellen Mehraufwand für Nachkäufe und damit Kaufkraftverlust für alle Marktteilnehmer Aufgrund verminderter Qualität und Haltbarkeit.

Es gibt auch einen dritten Fall, dies ist der Lieferant, der auf gleichbleibende hohe Qualität setzt und auf dementsprechende Preise angewiesen ist und besteht. Dieser wird allerdings in der heutigen gesamtwirtschaftlichen Situation, schon vom kleinsten Angestellten aus der potentiellen Lieferantenliste früher oder später gestrichen. Er hat es am Markt schwer, denn der freie Markt kennt nur eine Richtung! Dies ist die gängige Praxis in diesem System und zeichnet uns den Weg. Qualität oben und Preise unten. Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst? Dies ist weder als Marketinggag witzig noch besonders zielführend! Es verfestigt nur das völlig falsche Weltbild vom Verhältnis zwischen Qualität und Preis.  Und dies dauerhaft und in weiten Kreisen der Bevölkerung.

Aber nicht der Einkäufer soll hier an den Marterpfahl gestellt werden. Er tut seine Arbeit auch nur nach besten Wissen und Gewissen.

Auch alle anderen Abteilungen und Teilnehmer der Wirtschaft sind auf die eine oder andere Weise gezwungen, sich den Gesetzen des so viel gelobten freien Marktes zu stellen. Vielen gelingt es, ihre Überlebensnische zu finden, vielen, der Mehrzahl, gelingt dies nicht.

In jedem Fall bestimmen die Vorgaben der Wirtschaftslenker, ihre Art der Kommunikation in Richtung ihrer Untergebenen alle weiteren Ereignisse. Betriebsintern wie gesamtwirtschaftlich, das Wohl und Wehe eines Unternehmens und seiner Mitarbeiter hat auch immer einen wie klein auch immer gearteten Einfluss auf  die gesellschaftliche Entwicklung. Wenn sich die gesamte Wirtschaft über viele Jahre auf dem berühmten Sparkurs befindet, ist der schleichende Rückgang von Kaufkraft und Qualität vorprogrammiert. Die verschiedenen Unternehmen aus verschiedensten Branchen können die Gesamtheit nicht übersehen, selbst wenn sie es wollten. Denn ein Unternehmen wird auch nur durch Menschen geführt, mit ihrer naturgegebenen, unschuldigen Begrenztheit. Aus dieser Kommunikationsfalle auszubrechen wird nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich sein. Geld regiert die Welt und somit wird sich immer jemand finden, der es für weniger tut. Weniger Leistung, weniger Qualität, weniger Wert.


 Wer über viel Geld verfügt bekommt bei guter Anlage noch unsagbar viel Geld hinzu, ohne etwas dafür zu tun. Wer nichts oder wenig hat, zahlt noch entsprechend hohe Zinsen für geliehenes Geld. Man könnte auch sagen, das Finanzsystem steht auf dem Kopf.

Hierbei soll es sich nicht um eine Anklage gegen den Reichtum handeln. Im Normalfall wurde der Reichtum durch aufopferungsvolle Tätigkeit erwirtschaftet. Unter welchen Bedingungen dies heute auf breiter Basis geschieht ist die Frage. Wenn nur des Geldes wegen gewirtschaftet wird und der Blick für den gesamtgesellschaftlichen Kontext verloren geht, ist der Wirtschaftskreislauf nicht mehr lange am Laufen zu halten. Was geschieht mit dem Überhang der finanziellen Mittel. Wird er dem Wirtschaftskreislauf zugeführt oder ihm entzogen? Entstehen neue Wirtschaftseinheiten oder nicht?

Wie die menschliche Gesellschaft mehr auf Organisation als auf Freiheit beruht, so auch die mit ihr verbundene Wirtschaft. Alles ist miteinander verbunden und nicht leicht zu überschauen. Aber es gibt immer Anzeichen und Hinweise auf künftige Ereignisse und Erfordernisse. Man darf sie nur nicht übersehen und sollte sie schon gar nicht ignorieren. Jede Frage zu diesem, wie auch zu allen anderen Themen, ist eine gute Frage! Sie provoziert den Empfänger, zwingt ihn zum Nachdenken und führt manchmal zu neuen Ansätzen und Lösungen.

Während des „Kalten Krieges“ war viel von Entspannung die Rede. Irgendwann entspannte man sich und konnte ein paar Truppenkontingente abbauen und das Geld (wenn es überhaupt vorhanden war) in andere Projekte stecken.

Im wirtschaftlichen und  im politischen Aktionsraum lautet das Zauberwort „Entlastung“. Entlastung von Steuern und Abgaben sowie Entlastung oder besser Befreiung von einengenden Gesetzgebungen. Diese Entlastungen wandeln sich in Gewinne um und alle sind zufrieden. Was hat die Gesellschaft davon? Entstehen neue Fabriken, neue Jobs, gute Aussichten? Wird der Markt stimuliert? Ist es auf der anderen Seite richtig, nur immer darüber zu sprechen, statt die Entlastungen auch spürbar umzusetzen, immer mit der Frage, „Wem nützt es?“, verbunden. Haben nicht viele das Gefühl, das einer Entlastung immer schneller eine Belastung folgt, die teilweise größer ausfällt als die vorherige Ersparnis? Kann es sein, dass viele Menschen der heutigen Art und Weise, wie Themen aller Art kommuniziert werden, nicht mehr folgen wollen oder können? Wächst dadurch das Unverständnis für gewisse Entscheidungen im wirtschaftlichen und auch in anderen Bereichen? Was löst Verunsicherung aus, ist dies wirklich ein erfolgversprechendes Mittel für ein stabiles und dauerhaftes Wirtschaftswachstum und das Funktionieren der Menschen?

Das Prinzip des Führens ohne zu führen, wie es offensichtlich in einigen Wirtschaftseinheiten angewendet wird, funktioniert nicht dauerhaft. Die Sinne der Teilnehmer, für die Lösung von komplizierten Aufgaben vorgesehen, erschlaffen mit der Zeit und es sind grundsätzlich steuernde Impulse notwendig, um die Richtung zu halten oder zu verändern. Nur zu glauben, zu wissen, was richtig und unerlässlich ist, reicht nicht aus. Man muss dies regelmäßig und laut kommunizieren und auch das „Echo“ akzeptieren und auswerten, welches einem aus der Masse zurückgeworfen wird!

Die Gesamtheit und die Dauerhaftigkeit von Erfolg und das Zusammenstehen in Zeiten von Misserfolgen zeichnet eine Gesellschaft aus. Weltoffenheit und Transparenz sind weitere Attribute, die nicht ausgeklammert werden dürfen.

Fährt man mit offenen Augen und geschärften Sinnen durch eine Stadt wie Berlin, erzählen einem verwaiste Straßenzüge und der Blick in die Gesichter der Passanten eine interessante Geschichte über die tatsächliche Lage einer Gesellschaft, fernab von bunten Reklameschildern und hochgezüchteten Werbespots.

Jeder neue Einkaufstempel bedeutet den Tod vieler kleiner Marktteilnehmer. Von Vielfalt kann im Zusammenhang mit diesen Centern nicht wirklich gesprochen werden. Es finden sich immer dieselben Topmarken mit den immer gleichen Angeboten zusammen. Für die wenigen Investoren ist dies fast immer ein gutes Geschäft. Bis zum Bau des nächsten Centers in der Nähe. Selbst Leerstand  rechnet sich für gewisse Kreise schon und führt nicht zum Nachdenken. 

Die Vielfalt schrumpft. Die Werbung sorgt dafür, dass sich viele auf weniges konzentrieren.  Was allerdings auch die Hauptaufgabe eines guten Marketings darstellt. Wie bei allem, sehen die Beteiligten nur ihren persönlichen Erfolg und nicht die Auswirkungen darüber hinaus.

Die Zeit der großen Neuerungen ist vorbei. Alle Veränderungen betreffen  nur noch Detailfragen. Und damit verschärft sich der Kampf um die Märkte, um die letzten Möglichkeiten der Gewinnmaximierung. Dabei spielt die Ressource „Mensch“ die entscheidende Hauptrolle, ihr Preis bestimmt die nächsten Schritte und entscheidet über Erfolg und Misserfolg aller Bemühungen. Und damit schließt sich der Kreis, den man nur durchbrechen kann, wenn man sich dessen auch bewusst wird und sein Verhalten ändern will. Es gibt leider kein Patentrezept für erfolgreiches Wirtschaften, alles kann falsch oder richtig sein. Alles hatte und hat seine Zeit, dann werden die Karten wieder neu gemischt und alles auf „Los“ gestellt. Alles hängt vom Willen und den Fähigkeiten der beteiligten Mitspieler ab, ihrer Aufmerksamkeit und ihrer persönlichen Einstellung. Der Wert der Masse sinkt beständig, in den Augen der Führer. Und sie senken diesen Wert auch ganz bewusst. Das hilft am Ende, alles zu erklären, auch wenn man die Probleme nicht lösen konnte.